Liebe Freunde,

 

wir haben lange nichts mehr von uns hören lassen.  Leider waren die letzten drei Wochen ein bißchen hektisch und haben viel durcheinander gewirbelt. Noplanisagoodplan..

 

Am 22. Februar, kurz hinter Salalah, "moggte" der MOG erstmals auf unserer Reise und das Getriebe macht plötzlich sehr gräßliche Geräusche. Hier bahnt sich etwas an, das ist uns ziemlich schnell klar. Unsere Stimmung sinkt mit jedem Kilometer an dem diese Geräusche mehr an Intensität zunehmen. Dieses Kreischen. Dieses Rasseln...

 

Was tun? Unsere Routenberechung sagt uns: " Sie sind rund 1200 Kilometer von der Mercedes Werkstatt in Muscat entfernt". Das ist aber toll. Hält der MOG? Kommen wir überhaupt noch nach Muscat? Das Navi schweigt...(Blödes Navi..) Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Also starten wir durch. Nach nur zwei Tagen - und einer Monster-Etappe von 925 Kilometer laufen wir zusammen mit unserer "Rückendeckung" um halb zwei in der Nacht  vor dem "Sternhaus" in Muscat ein. Unsere Rückendeckung: das waren Jürgen und Ingrid aus Kaufbeuren, die ebenfalls mit einem Unimog unterwegs sind -  und herzlich liebe Leute. Wir waren schon ein paar Tage zusammen unterwegs und wollten diese eigentlich noch länger genießen. Aber sie wollten es auf keinem Fall zulassen, dass wir in der Nacht und auf dem Weg nach Muscat irgendwo liegen bleiben. Also folgten sie uns: Unauffällig.... Diese Nachfahrt, in der wir uns per Whatsapp die "nur noch xxx Kilometer" gegenseitig zuschickten, werden wir nicht vergessen. Danke, Jürgen und Ingrid! Am nächsten Tag die erste Diagnose:  Wahrscheinlich ist der Planetensatz des Getriebes hinüber, vielleicht auch mehr. Das Getriebe muss raus. Aufmachen. Gucken. Entscheiden. Es ist aber inzwischen Donnerstag und ab Freitag und Samstag ist hier Wochenende. Der Getriebeausbau ist vor Sonntag nicht möglich. Außerdem: wo sollen wir schlafen? Hotels in Muscat sind teuer. Sehr teuer.  Also fahren wir doch einfach an den Qurum-Beach in Muscat, warten das Wochenende ab und schauen mal was so passiert, sagen wir uns.

Leider waren unser Reiseerlebnisse mit Ingrid und Jürgen recht kurz. Wir holen sie nach. Irgendwo. Unsere Route ist ja fast die gleiche.


Treffpunkt Muscat

 

Und es passierte ein ganze Menge. Als wir am Strand ankommen steht eine Reise-BMW rum. Deutsches Nummernschild, dahinter ein Zelt. Es sind Uwe und Sabine aus Waiblingen, seit dem Mai 2017 unterwegs. Ziel: Einmal rum um den Erdball.  Plötzlich kommt Christian mit seinem Fahrrad angetreten. Wir hatten uns letztes Jahr im Iran getroffen. Per Whatsapp meldete sich Michael. Ja, dieser Michael, den wir letztes Jahr im Iran von Täbris nach Esfahan mitgenommen haben, den wir gerade kurz in Salalah getroffen hatten, und der sich und sein Fahrrad mit dem Bus nach Muscat brachte. Dann meldet sich "Manu"per Whatsapp. Sie ist auch mit dem Rad unterwegs ud wir kennen uns noch vom Iran.  Inzwischen ist Sie mit einer Freundin unterwegs und auch in ein paar Stunden hier. Dann parken auch noch Pierre und Therese aus Frankreich mit ihrem Toyota neben uns ein. Und was hat so ein Franzose auf jeden Fall in seinem Auto? Jedenfalls war unsere Laune schnell wieder in Bestform und so überbrückten wir die Tage mit Boulespielen, Reisepalaver und Spaß. Und dann kommt noch Tarek ins Spiel. "Ick bin ein Berliner" Doch darüber später mehr...

Overlander Treff am Qurum-Beach in Muscat. So überbrücken wir die Wartezeit bis wir bei Mercedes das Getriebe ausbauen lassen.


  "We keep the MOG rolling"

 

Die Akteure:

André: Inhaber und Geschäftsführer der Werkstatt meines Vertrauens. MERTEC in Gaggenau. Hier haben wir den MOG für die Reise vorbereitet.

Neil: Lager und Vertriebsspezialist bei MEREX in Gaggenau. Er versendet Unimog-Ersatzteile in die ganze Welt.

Michael: Nutzfahrzeugchef bei Mercedes in Muscat. Er ist schon lange "Out of Germany" und hat ein großes Herz für Overlander. Er hilft und zeigt Wege auf wo er nur kann.
Claudio und Kathi: Wohnen in Salalah. Sie sind Unimogfahrer und neue Freunde, die wir unterwegs kennenlernen durften .  (siehe auch Reisenotizen)

Tarek: Ein Berliner im Oman

Ich (Flori): Sich seiner Rolle bewußt, dass er ohne die Hilfe, dem guten Willen und Vertrauen der sechs Hauptdarsteller ziemlich aufgeschmissen ist.

 

Es ist Sonntag. Mittagzeit. Das Getriebe ist ausgebaut. Wie geht es weiter? Wir müssen entscheiden. Fragen über Fragen stürmen über uns herein. Aufmachen? Nachsehen? Reparieren? Welche Ersatzteile benötigen wir dann? Im Oman ist nichts für unseren Unimog vorrätig. Ist in Deutschland alles auf Lager? Wie schnell kann es dann im Oman sein? Die "Funkwellen" zwischen dem Oman und Deutschland glühen förmlich. Das Handy ist vom vielen Telefonieren ganz heiß, das Ohr inzwischen rot. Mit Michael beratschlagen wir. Getriebe reparieren? Ja. Aber. Wieviele Arbeitstunden fallen an? Den gesamten Reparaturumfang können wir zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Ein riskantes Spiel. Oder sollten wir doch besser ein AT-Getriebe nehmen um auf Nummer Sicher zu gehen? Wir quälen uns. Bei dem Gedanken ans liebe Geld wird mir ganz anders. Es ist der Gau. Getriebsschaden an einem Unimog - ein Alptraum. Pech. Saumäßiges Pech.

 

Ich: Das x-te Telefonat, wieder mit André.

André: "Ich habe ein Austauschgetriebe auf Lager. Kann ich morgen losschicken, ich klärt das mal mit Neil".
Ich: (Stolpere wieder in Michaels Büro)  "Kann ich ein Getriebe hier anliefern lassen und ihr baut es ein?"
Michael: "Ja klar. Transport, Zoll und Anlieferung musst aber Du klären."
André: "Flo, ich mache Dir einen Vorschlag. Wir montieren vor, inkl. Verteilergetriebe und liefern komplett. Deine Einheit schickst Du auf billigsten Weg zurück"

Ich: "Ich rede mal mit Claudia...."
André: "Hallo ich wieder. Ich habe auch noch eine weitere Idee...  Ich rufe Dich gleich zurück, muss noch schnell was abklären"
Ich: Grübel. Grübel...

André: Das können wir so machen, wie zuerst besprochen..... (Geheim)
Ich: (E-Mail an Kathi) Könnt ihr helfen? Ich suche einen Käufer, Empfänger, Zollabwickler und Anlieferer. Resident im Oman.
Kathi: "Ich habe gerade mit Claudio telefoniert. Er hat einen Freund in Muscat. Der hilft. Es ist "Pasha". Adresse folgt...

Ich: "Hey Andrè, das könnte klappen. Wie lange dauert der Versand nach Muscat und "Costa Quanta?"

André: "Wir haben mal alles gewogen: 350 Kilogramm Luftfracht.

Ich: "Uff..."

Andrè: "Ich habe mit Neil gesprochen. In vier bis sechs Tagen könnte alles in Muscat sein".
Michael: "Wir haben die Erfahrung gemacht, es kann nochmal 3 Tage dauern bis alles aus dem Zoll ist"
Ich: (Wortlos) Rechne. Zähle Tage. Vergleiche Wochenenden im Oman vs. Wochenende in Deutschland. Wann laufen unser Visa ab? Morgen!

 

Und so nimmt alles seinen Lauf. Wir rennen zur Visastelle und man gibt uns ausnahmsweise Verlängerung. In Gaggenau wird das Getriebe aus dem Regal geholt. Der MOG steht auf der Grube in der Werkstatthalle und kann nicht mehr bewegt werden. Wir klären die Zahlungsformalitäten und überlegen wie wir die Zeit überbrücken. 10 bis 14 Tage müssen wir einplanen. Wir hängen vorerst mal fest. Billig irgendwohin fliegen? Dort Hotel oder Guest-House zahlen? Was tun? Der Getriebetausch kostet uns eine Stange Geld. Mit solchen "Sonderausgaben" haben wir nicht wirklich gerechnet. 

 

Jetzt kommt Tarek ins Spiel. Wir haben den netten Berliner am Strand von Qurum-Beach kennengelernt und er hat uns spontan seine Hilfe angeboten. Er arbeitet seit zwei Jahren in Muscat.

 

Tarek: "Ihr könnt bei mir wohnen - solange euer Zuhause in der Werkstatt steht"

Ich: "Uff...Das sind aber sicher zwei Wochen. Vielleicht drei"


Bei aller Sympathie und Freundschaft möchten wir Tarek aber doch nicht so lange auf den Wecker gehen. Was sollen wir auch die ganze Zeit in Muscat machen? In Tareks Wohnung stöbern wir im Internet. Billigflüge. Und dann kommt es: wir spitzen den Bleistift und die günstigste Möglichkeit ist in die Heimat zu fliegen, solange unser Zuhause in der Werkstatt warten muss. Dort haben wir auch ein Bleibe, können Claudias Eltern mal wieder sehen, und kurz unsere Söhne. Außerdem können wir bei dieser Gelgenheit das eine oder andere auch noch erledigen. Zwei Tage später sitzen wir im Flieger MCT-BAH-FRA. Alex, unsere Freundin, holt uns am Flughafen ab. Es ist kalt. Minus 15Grad. Wir fahren auf dem Weg nach Kämpfelbach in die Werkstatt zu MERTEC. Dort liegt das Getriebe schon verschnürt auf der Palette und wartet auf seine Abholung. Neil, der Merex-Vertriebsmann feilscht noch um jeden Euro mit seinen Luftfrachspediteuren. Zusammen finden wir dann vor Ort in Deutschland und mit Unterstützung von Claudio und Kathi im Oman eine Lösung, um die Versandkosten der Luftfracht etwas zu reduzieren. Unsere Freundin Mira bringt uns am 11. März wieder zum Flughafen nach Frankfurt. Knapp 10 Tage waren wir in Deutschland. Außerplanmäßig. Leider konnten wir uns bei den meisten von euch nicht melden. Aber: es geht wieder weiter. Tarek holt uns am Flughafen in Muscat ab und wir wohnen derzeit wieder bei ihm. In der Zwischenzeit konnten wir bei ihm alle unsere wichtigen Sachen lagern und Tarek bringt uns mit seiner "Berliner Schnauze" und seinem Humor immer wieder zum Lachen. Das tut gut. Wir nehmen an.

Schluß und Ende:

Heute ist der 15. März. Wir haben den MOG wieder zu uns geholt. Morgen ist MOG einräumen angesagt.

Danke an alle die uns geholfen haben den MOG wieder zum rollen zu bringen. Wir können es gar nicht in Worte fassen. Es ist unglaublich. Danke!

(Links und Mitte) Michael Heeke und sein Werkstattchef. Kaum ist das Getriebe da, wird es gleich unter den MOG bugsiert. Rechts: Unser Gastgeber und Aufmunterer in Muscat: Tarek, die Berliner Schnauze.

Kommentare: 8
  • #8

    Claudia (Montag, 09 April 2018 06:02)

    Hi you 2!!
    It was wonderful to have met you both! And what a way to meet, right!?
    As we say, all happens for a reason, even getting stuck with a unimog!;)
    Stay safe and stay well. And stay in touch!!!!
    وداعا ���

  • #7

    Bernd (Sonntag, 18 März 2018 09:04)

    Au Backe, was für ein Kapitel auf Eurer Reise.
    Schön zu lesen, dass der MOG wieder surrt. Unser MAN will im Moment nicht starten und wir sind noch auf Fehlersuche aber es hat im Moment keine Priorität. Umzug ist wichtiger.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Luft unterm Diff und laßt Euch Zeit,
    Bernd

  • #6

    Klaus (Samstag, 20 Januar 2018 17:56)

    Servus Claudia und Flo,
    jetzt haben wir Eueren tollen Blog gefunden. Der 11.12. ist zwar schon eine gute Zeit her, dennoch wollen wir auch noch nachträglich zum 60. Geburtstag gratulieren. Eure Reise wird hoffentlich das schönste Geschenk bleiben, das man sich machen kann. Passt gut auf Euch auf! Liebe Grüße auch von LAN DY 30 an MOG :-)
    Liesi, Lena, Lukas und Klaus

  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex