Oman (2): Zurück in das Gebirge. Ein Abstecher nach Nizwa und dann weiter Richtung Süden.

 

Es ist genau diese Faszination, die den Oman so einzigartig macht. Gerade mal ein paar Kilometer von der Küste im Großraum Muscat entfernt steigt das Hajar-Gebirge an. Steil und bedrohlich bauen sich die Felsformationen bis zu 2000 Meter auf, um dann in sanftere Hochebenen überzugehen. Auch die Straßen und Pisten im Inneren des Gebirges haben es in sich. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so steile und teilweise auch so enge Gebirgspisten gefahren zu sein. In die Felswände gemeiselt schrauben sich die ehemaligen Eselspfade hoch auf 1500 - 2000 Meter, streifen dabei entlegene Bergdörfer oder Oasen in den Tälern. Wir übernachten auf den Anhöhen bei frischen Temperaturen nahe null Grad und über 2000 Meter Höhe oder in den um diese Jahreszeit trockenen Wadis oder Seitentälern in den tieferen Regionen.

 


In den knapp zwei Wochen in den Gebirgen besuchen wir alte und verlassene Dörfer am Ende der Wadis, streifen aber auch durch neue Oasen, wo die alten Bewässerungssysteme, die sogenannten „Falaijs“, noch immer ihren Dienst verrichten und das frische Quellwasser aus den Bergen über viele Kilometer bis in die Oasen transportieren. Es ist einfach unvorstellbar, welche Baukunst sich hier entwickelt hat um das Wasser in die Dörfer und die Oasengärten fließen zu lassen. In teilweise schwindelerregenden Höhen und um die Felsen herum schlängeln sich die Falajs, durch und um die Felsen, zu den Häusern und um die Bergdörfer angelegten Terrassen. Eine Begehung der Wasserstrecken kann auch ganz schön anstrengend sein, zumal man sich etliche hundert Meter direkt über dem Abrund befindet, wenn man sich vorsichtig auf dem schmalen Rinnsal der in den Fels gehauenen oder betonierten Wasserleitungen, der nächsten Kurve, einem Baum oder Strauch, entgegen balanciert an dem man sich wieder festhalten kann. Kurz durchzuatmen um seine Schwindelgefühle wieder unter Kontrolle zu bringen und weiter geht's.

 


Jeder Tag ist in den Gebirgsregionen des Oman ist für uns ein besonderes Erlebnis, und als wir durch den sogenannten "Grand Canyon" des Oman wandern, hüpfen unsere Herzen. Was für eine Landschaft! Auf dieser Wanderung machen wir auch eine besonders nette Bekanntschaft: Wir treffen Kathi und Claudio, die beiden wohnen schon seit längerem in Salalah, im Süden des Landes, und haben nach vielen Jahren des beruflichen Herumziehens, vorwiegend in Afrika, derzeit im Oman ihre Bleibe gefunden. Und als wir auf unserer Wanderung so weiterplaudern, stellt sich etwas ganz Besonderes heraus: Sie besitzen den einzigen, im Oman auf Privatleute zugelassenen Unimog! Was ein Zufall. Wir verabreden uns für später in Salalah und freuen uns auf ein Wiedersehen, damals noch nicht wissend das wir etwas länger in Salalah bleiben werden...

Wir wandern weiter bis ans Schluchtende zu einem inzwiwchen verlassenen Dorf. Als wir nach Stunden wieder zurück an unseren Ausgangspunkt gelangen, kommen wir über unsere Begleiter Kathi und Claudio mit einem älteren Mann ins Gespräch. Er hat bis vor ein paar Jahren noch in diesem Dorf gewohnt.

 


Nizwa: Die Stadt zwischen Wüste und Gebirge

 

Schon die geografische Lage am Rande der Wüstengebiete und am Fuße des mächtigen Bergmassivs Jebel Akhdar machte diese Stadt schon vor über 1000 Jahren zur wichtigsten Handelsstadt des damaligen Oman. Nizwa war später, vor allem im 17. Jahrhundert, das Zentrum von Religion, Kultur und Kunst des damaligen Oman.  Heute ist so etwas wie die heimliche Hauptstadt des Oman und alte Traditionen und Gewohnheiten habe hier im täglichen Leben noch einen deutlich höheren Stellenwert, als im nur 200 Kilometer entfernten Muscat. Eine ganz besondere Attraktion ist der wöchentlich immer am Freitag stattfindende Markt auf dem großen Platz vor der alten, inzwischen perfekt neu renovierten Festung, im Zentrum der Stadt. Die Händler kommen aus dem ganzem Land um ihre Ware feilzubieten, zu tauschen und zu kaufen. Bereits am Donnerstagabend herrscht reges Treiben auf dem Marktplatz. Wir parken am Abend ganz am Rand des Marksplatzes und stürzten uns am nächsten Tag um sieben Uhr ins Getümmel....


Castle Jabrin und die Oasenstädte Bahla und Al-Hamra

 

Auf dem Weg in den Süden fahren wir an zwei Orten vorbei, die für den Oman ein weiteres „must see“ sind. In Bahla, einer der ältesten Städte im Oman, besichtigen wir das erst vor wenigen Jahren erneuerte Lehm-Fort. Rund zwanzig Jahre dauerten die Renovierungsarbeiten und sie vermitteln heute wieder einen umfangreichen Eindruck von der traditionellen Lehmbaukunst im Oman. In der Oasenstadt Al Hamra lassen sich im Zentrum, direkt am Palmengarten noch alte Lehmhäuser des alten Viertels besichtigen, die teilweise bis zu drei Stockwerke hoch sind. Leider ist die Altstadt inzwischen verlassen und aufgegeben.  Anders sieht es dagegen in Castle Jabrin aus. Das ehemalige Wohnschloss aus dem 16. Jahrhundert gibt in den teilweise zeitgenössisch renovierten Wohnräumen einen tollen Einblick, wie die Landesfürsten damals gewohnt haben. 

Nach unseren Besuchen der kulturellen Highlights im Großraum von Nizwa machen wir uns auf den Weg Richtung Küste und steuern für einen Übernachtungsplatz das Wadi Ben Khalid an. Es ist gut über eine Asphaltstrasse zu erreichen und deshalb natürlich auch ein Ort den auch die zahlreichen organisierten Reisegruppen ansteuern. Bereits auf dem Weg dorthinkommen uns Kolonnen von weißen Toyota Landcruisern und Kleinbusse entgegen. Ein gutes Zeichen. Denn als wir das Wadi erreichen, sind wir fast alleine. Wir spazieren noch kurz in den hinteren Teil des Wadis und genießen das abkühlende Wasser der großen und klaren Felswasserbecken. Wir schwimmen bis an das Ende der Schlucht und wieder zurück. Außer uns ist keiner mehr im Wasser. Als wir an unserem Parkplatz zurück kommen, können wir aus der Ferne sogar eine Hochzeit beobachten. Kurzerhand wird die Sackgasse zum Treffpunkt der männlichen Hochzeitsgäste umfunktioniert. Ein Omani kommt auf uns zu und bittet und zu den zahlreichen Gästen. Aber Claudia und ich sind uns schnell einig: wir trauen uns nicht wirklich in das Getümmel, vor allem auch aus dem einem guten Grund, weil Claudia die einzige Frau unter hunderten von Männern ist. Die Frauen - also die Gäste der Braut - feiern an einem anderen Ort. So genießen wir lieber etwas abseits unser selbstgekochtes Abendessen und lauschen lange den rythmischen Trommeln und Gesängen der Männergesellschaft.


Der Weg in den Süden nach Salalah

 

Gemütlich geht es dann Richtung Süden des Landes. Wir bummeln entlang der Küste, fahren bei Ebbe direkt an den langen Stränden entlang, streifen ein paar teilweise inzwischen verlassene Fischerdörfer direkt am Meer, fahren an kleineren Mangrovensümpfen vorbei und nehmen dann wieder einen kurzen Abstecher durch das Landinnere um den Al Wusta Nationalpark aufzusuchen. Wir fahren etliche hundert Kilometer über sandige Pisten und versuchen immer wieder in den Park zu kommen, wo die arabische Oryx Antilopen eine neue Aufzucht erleben. Unsere Fahrt am Rande des 4500 Quadratkilometer großen Reservats verläuft aber ein neuer Zaun, der das Gebiet und die darin lebenden Antilopen schützen sollen.  Wir fahren bis in die Dunkelheit hinein und in der Nacht erwischt uns zu allem Überfluss nochein heftiger Wüstensturm. Deshalb verlassen wir diese im Großen und Ganzen doch recht langweilige und flache Hochwüste schnellst möglichst und drehen wieder Richtung Meer ab, wo in wenigen Kilometeren Luftline das Gebirge steil zur Küste abfällt. Gigantische Ausblicke sind bei dieser Abfahrt garantiert und auf dem weiteren Weg übernachen wir immer wieder in schönen Wadis, die ganz nah an der guten Küstenstrasse ins Meer münden. Es sind teilweise traumhafte Plätze und wir lassen die Seele baumeln, grillen Fisch und freuen uns auf den nächsten Tag. 

 

Auf der Strecke in Richtung Süden hat es uns besonders gut im Gebiet der "Sugar Dunes" gefallen, wo wir ein paar Tage abhängen. Über Whats app haben wir uns mit Conny und Uli verabredet, die wir schon früher mal getroffen hatten und so verbringen gemeinsam ein paar sehr relaxte Tage an diesem sauberen Strandabschnitt. Ach ja, die Strände an der omanischen Küste: es ist teilweise ernüchternd wie das Meer zum der Dreckeimer der Welt wird. Wir sind viele hundert Kilometer entlang der Küste gefahren,  der Dreck der an den Stränden angeschwemmt wird, ist teilweise wirklich sehr dramatisch. Es ist wirklich sehr, sehr schade.

Kommentare: 8
  • #8

    Claudia (Montag, 09 April 2018 06:02)

    Hi you 2!!
    It was wonderful to have met you both! And what a way to meet, right!?
    As we say, all happens for a reason, even getting stuck with a unimog!;)
    Stay safe and stay well. And stay in touch!!!!
    وداعا ���

  • #7

    Bernd (Sonntag, 18 März 2018 09:04)

    Au Backe, was für ein Kapitel auf Eurer Reise.
    Schön zu lesen, dass der MOG wieder surrt. Unser MAN will im Moment nicht starten und wir sind noch auf Fehlersuche aber es hat im Moment keine Priorität. Umzug ist wichtiger.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Luft unterm Diff und laßt Euch Zeit,
    Bernd

  • #6

    Klaus (Samstag, 20 Januar 2018 17:56)

    Servus Claudia und Flo,
    jetzt haben wir Eueren tollen Blog gefunden. Der 11.12. ist zwar schon eine gute Zeit her, dennoch wollen wir auch noch nachträglich zum 60. Geburtstag gratulieren. Eure Reise wird hoffentlich das schönste Geschenk bleiben, das man sich machen kann. Passt gut auf Euch auf! Liebe Grüße auch von LAN DY 30 an MOG :-)
    Liesi, Lena, Lukas und Klaus

  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex