Oman (1): Über das Hajar-Gebirge, durch die "Wahiba Sands" und wieder zurück nach Muscat.

 

Jetzt sind wir bereits seit reunddrei Monaten im Oman unterwegs, haben inzwischen rund 5000 Kilometer abgespult und noch längst nicht alles vom diesem Land sehen und genießen können. Hohe Bergketten die fast direkt am Meer enden, tiefe Wadis die sich in die wilde Landschaft schneiden, endlose Strände, teils spektakuläre Wüstenlandschaften, traditionelle Souks, Weihrauchschwaden und Begegnungen mit phänomenal freundlichen Menschen prägen unsere Eindrücke. Die alten Traditionen haben hier weiterhin Bestand und verwachsen geschickt und dezent mit der Moderne. Der Protz und das Prätentiöse der Emirate fehlt dem Oman. Und das empfinden wir als äußerst angenehm. Uns gefällt es hier und so drehen wir streng genommen zwei Runden im Oman. Wir sind außerdem in der Winterzeit unterwegs, die Temperaturen sind angenehm. Die Tage sind noch nicht zu heiß, die Nächte lau und in den Gebirgsregioen sogar kühl.

 

Noch reichlich beseelt von den starken Erlebnissen im Iran, machen wir uns am ersten Weihnachtsfeiertag auf den Weg von Dubai in den Oman. Dubai? Na ja, das künstliche Hyper-Pling-Plang-Plong-Dubai hat es uns nicht wirklich angetan. Von dort in den Oman ist es ein Katzensprung. Eine sechsspurige Autobahn bringt uns schnell nach Al Fujairah und wir absolvieren einen schnellen und problemlosen Grenzübertritt. Auch die für den MOG obligatorische KFZ-Versicherung für den Oman können wir direkt an der Grenze für einen Zeitraum von drei Monaten abschließen. Dann geht es direkt nach Muscat, der Hauptstadt des Weihrauchlands. So haben wir noch zwei Tage Zeit um Besorgungen zu machen und uns die Stadt anzusehen. Denn am 29. Dezember landet der Flieger mit unseren Münchner Freunden Eva und Stefan an Bord. „Elektrolurch“ Stefan hat sich schon bei den MOG-Vorbereitungen kräftig ins Zeug gelegt und damals in Erding bereits angedroht: „Wir kommen euch im Oman besuchen, nach dem Rechten schauen.“ Für unsere gemeinsame Tour haben sich die beiden einen Toyota Land Cruiser gemietet. Das andere Equipment wie Zelt und Schlafsäcke haben wir an Bord. Die Routenplanung für diesen Kurztrip hat Stefan übernommen, denn die beiden haben nur 10 Tage Zeit für ihren Besuch.

Gemeinsam entdecken wir die Ausläufer des Hajar-Gebirges, fahren über weite Hochtäler und queren zur Jahreswende gemeinsam die Wüste "Wahiba-Sands". Ein Wüstenabschnitt der mehr durch seine Weite, als durch spektakuläre Dünen beeindruckt. Und als wir in der ersten Wüstenübernachtung so anfangen in die Silvesternacht hineinzufeiern bekommen wir neugierigen Besuch: Rund ein Dutzend Kamele  hält uns am Silvesterabend auf Trab. So neugierig und zutraulich haben wir die Kamele nicht eingeschätzt, eher scheu. Aber in dieser Nacht waren sie nicht zu bremsen. Schnell müssen wir unsere Sachen wegräumen, denn sie stecken ihren langen Kragen in alles hinein was sich in unserem Lager so angeboten hat.  Und so feieren wir die Neujahrsnacht nach dem Motto: "Camel Night"

Happy New Year und die "Camel Nights" in den Wahiba Sands
Happy New Year und die "Camel Nights" in den Wahiba Sands

Bereits die erste Schleife im Oman beeindruckt uns stark. Vor allem die sich nah an der Küste aufbauenden Gebirgszüge des Hajar-Gebirges mit seinen weit in die Felsen hineinragenden Wadis. Durch das in Felsbecken gespeicherte Regenwasser sind die Wadis schattige und grüne Oasen in der felsigen und rauen Gebirgslandschaft. Wir wandern in das sehr bekannte Wadi Shab. Es ist Freitag, und wie das an dem offiziellen Feiertag so ist,  sind neben den zahlreichen Touristen sind auch viele Omanis im Wadi unterwegs. Streckenweise herrscht ein richtiges Gedränge auf den engen Pfaden zu den Pools des Wadis und als wir am Ende ankommen, packen wir unsere Sachen in wasserfeste Beutel und schwimmen die letzten Meter bis in eine große Höhle. Die Öffnung die durch die Felsen in die Höhle führt ist gerade so breit, dass man nur einzeln hineinschwimmen kann. Innen offenbart sich eine kuppelartige Höhle, ähnlich dem Kuppeldach einer Moschee. Wir genießen die Abkühlung im Felsenwasser, setzen uns auf die Felsen und beobachten das Treiben um uns herum.


Muscat: Das "Anti Dubai" und die Metropole des Weihrauchlandes

Omans moderne  Hauptstadt erleben wir als einen gelungenen Mix zwischen Tradition und Moderne. Das Stadtgebiet selbst erstreckt sich inzwischen über eine Fläche von mehr als 3.500 Quadratkilometer und moderne große Stadtautobahnen verbinden die Stadtviertel von Muscat mit dem alten Kern der Stadt und dem kleinen Hafen. Immer wieder fährt man durch Stadttore, die die Viertel untereinander abgrenzen. In den kleinen Stadtteilen entdecken wir immer wieder kleine, mit viel Liebe bewässerte Stadtteilparks in denen sich die Menschen tummeln. Obwohl inzwischen rund 800.000 Menschen in der weitläufigen Großsstadtregion leben, vermittelt sie aber nicht den Eindruck von Hektik oder übermäßig geschäftigen Treiben. Futuristische Skyines und moderne Wolkekratzer sucht man in Muscat vergebens und die höchsten Gebäude sind die Türme der Moscheen. Alles geht in Muscat seinen Weg, gemächlich und ruhig. Nachdem der Muezzin zum Mittagsgebet gerufen hat, verfällt die Stadt in den Ruhemodus. Der Souk ist weitgehend geschlossen und an den meisten Geschäften gehen die Rolläden runter, der Straßenverkehr nimmt rapide ab. Pause.

 

Erst am späteren Nachmittag erwacht wieder das Leben in der Metropole. Irgendwie ist heutige moderne Hauptstadtregion auch als beispielhaft für den ganzen Oman zu verstehen. Denn im Gegensatz zu den anderen Emiraten am arabischen Golf ist der Oman ein Land, das trotz seines Erdöls und seines Reichtums „am Boden geblieben“ ist. Zu verdanken ist dies vor allem dem „König“ des Landes. Seit dem Machtantritt von Sultan Quaboos in den siebziger Jahren, hat sich der Oman unter der Wahrung von Tradition und Geschichte maßvoll der Moderne und dem Wohlstand zugewandt. Die Vorgänger seiner Familie hatten die einst dominierende Seefahrer- und Handelsnation in der arabischen Welt in eine über 100 Jahre dauernde Isolation und Abschottung getrieben. Es gibt Erzählungen, nach denen angeblich auch in Muscat und Nizwa noch in den sechziger Jahren bei Sonnenuntergang die Tore der Stadt geschlossen wurden. Bildungssystem, gesellschaftliche Gerechtigkeit und eine soziale Umverteilung des erwirtschafteten Staatsvermögens waren Fremdwörter. So ist es sicherlich der „größten Fehlentscheidung seines Lebens“ zu verdanken, dass der Vater seinen Sohn und heutigen Sultan Ibn Said zur Ausbildung nach England auf die Militärakademie in Sandhurst schickt. Im Zuge seiner Ausbildung dient er auch als Offizier in der britischen Rheinarmee in Deutschland und begibt sich in Begleitung von Vertrauten zudem auf eine angeblich dreijährige Weltreise. Zurück von diesem Abenteuer, putscht er seinen Vater im Jahre 1970 vom angestaubten Thron und führt seitdem sein Land mit Bedacht in die Moderne. Die Auswüchse des Petrodollar-Rausches, dem die Nachbarstaaten in der Golfregion sichtbar verfallen sind, lassen sich auch hier in Muscat, und auch in den anderen Landesteilen des Oman, nicht mal ansatzweise erkennen und sein Volk dankt es ihm. Aber auch in der internationalen Politik genießt Quaboos hohes Ansehen. Er profiliert sich immer wieder als Vermittler bei Konflikten zwischen den Golfsaaten, führt ungeachtet der Meidung, speziell jener der Saudis, Handel mit dem Iran.

 

Wir bleiben ein paar Tage in Muscat, können bei einem Freund wohnen, genießen den hauseigenen Swimmingpool, verlängern unser Oman-Visum, beantragen unser Iran-Visa für die Rückreise und gönnen dem MOG in der Mercedes-Niederlassung einen Ölwechsel. Der Alltag von Reisenden. Dazwischen machen wir uns immer wieder auf den Weg die Sehenswürdigkeiten der Stadt aufzusuchen. Das Regierungsviertel, der Hafen mit dem angrenzenden Souk und natürlich der größten Moschee des Landes, der Sultan Quaboos Moschee, die an bestimmten Tagen auch für Nicht-Muslime zu besichtigen ist. Ein gewaltiger Komplex der bis zu 20.000 Gläubigen Platz bietet und in deren Hauptsaal den größten Teppich der Welt ausliegt. Die Herstellung des 4300 Quadratmeter großen Teppichs dauerte rund sechs Jahre, er wurde in 58 Einzelteilen im Iran gefertigt und dann in der Moschee zusammen genäht. Aber es ist nicht nur die gigantische Größe der Hauptstadtmoschee die Eindruck macht, speziell sind es auch die vielen kleinen Nischen und Winkel auf dem weitläufigen Gelände die uns mit seinen hochwertigen Details und Keramikmosaiken in den Bann ziehen. Trotzdem: nach fünf Tagen in Muscat sehnen wir uns wieder nach der Natur und es geht es wieder raus. Zuerst hoch in die Gebirge und dann in einer weiten Schleife Richtung Süden, entlang am Meer Richtung Salalah, kurz vor der Grenze zum Jemen.


Kommentare: 8
  • #8

    Claudia (Montag, 09 April 2018 06:02)

    Hi you 2!!
    It was wonderful to have met you both! And what a way to meet, right!?
    As we say, all happens for a reason, even getting stuck with a unimog!;)
    Stay safe and stay well. And stay in touch!!!!
    وداعا ���

  • #7

    Bernd (Sonntag, 18 März 2018 09:04)

    Au Backe, was für ein Kapitel auf Eurer Reise.
    Schön zu lesen, dass der MOG wieder surrt. Unser MAN will im Moment nicht starten und wir sind noch auf Fehlersuche aber es hat im Moment keine Priorität. Umzug ist wichtiger.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Luft unterm Diff und laßt Euch Zeit,
    Bernd

  • #6

    Klaus (Samstag, 20 Januar 2018 17:56)

    Servus Claudia und Flo,
    jetzt haben wir Eueren tollen Blog gefunden. Der 11.12. ist zwar schon eine gute Zeit her, dennoch wollen wir auch noch nachträglich zum 60. Geburtstag gratulieren. Eure Reise wird hoffentlich das schönste Geschenk bleiben, das man sich machen kann. Passt gut auf Euch auf! Liebe Grüße auch von LAN DY 30 an MOG :-)
    Liesi, Lena, Lukas und Klaus

  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex