Die Rückreise durch den Iran (Teil 1):  Von Bandar Abbas bis zur Wüste Lut


Die Felseninsel Hormuz vor Bandar Abbas

 

Nach unserer Ankunft in Bandar Abbas und der wieder sehr chaotischen Abfertigung im Hafen lassen wir den Unimog zuerst mal stehen und fahren am nächsten Tag mit der Personenfähre auf die Felseninsel Hormuz. Die Insel ist eine geologische Besonderheit, besteht sie doch weitgehend aus Sedimentablagerungen. Als wir gegen Mittag auf der Insel ankommen suchen wir zuerst mal den kühlenden Schatten. Es ist inzwischen heiß, sehr heiß und auch in der Nacht kühlt es kaum noch ab. Am späteren Nachmittag mieten wir uns ein Tuk-Tuk und lassen uns einmal rund um die 42 Quadratkilometer große Insel fahren. Fahrzeuge gibt es auf Hormuz fast keine, außer ein paar alte PKW oder modernere Pickup die fast ausschließlich auf der Insel verkehren. 

Der "rote Strand" von Hormuz. Anläßlich der Neujahrfeiern im Iran, die jedes Jahr um den 20. März stattfinden, kreierte ein iransicher Künstler einen Sandteppich. Hierfür verwendete er alle Sorten an Steinen und Sand die es auf der Insel so gibt. Wie lange der Sandteppich Bestand haben wird entscheidet alleine das Wetter und der Wellengang....

Gigantische Farbenpracht. Bizzare Felsformationen. Das ist Hormuz. Irgendwie kommen wir uns vor wie im Jurassic Park.  Wir lassen uns mit einem der dort üblichen Tuk-Tuks um die Insel Insel fahren und staunen. Und weil es in den Abendstunden so schön und deutlich kühler ist, die letzte Fähre zurück an das Festland dann aber nicht mehr erreichbar ist, mieten wir uns uns kurz entschlossen ein Zimmer für die Nacht und nehmen die Fähre am nächsten Morgen zurück nach Bandar Abbas.


Irans Osten: Von Bandar Abbas über Bam nach Kerman

 

An der Küste und in Bandar Abbas ist es inzwischen unerträglich heiß und schwül. Temperaturen um die 40 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von knapp an die 80 Prozent sind kaum auszuhalten. Wir nehmen Fahrt auf und fahren so schnell wie möglich in die höheren und trockeneren Gebiete im Osten des Iran. Ziel ist die Wüste Lut. Zuvor besuchen wir aber noch die alte Wüstenstadt Bam. 2003 wurde die Stadt durch eine katastrophales Erdbeben zu größten Teilen völlig zerstört. Die Wohngebiete in Bam sind weitgehend wieder intakt, jedoch versprühen sie mehr den Charme von einheitlicher Plattenbau-Architektur und ist nicht wirklich sehenswert.  In den letzten 10 Jahren hat man auch die alte Zitadelle und den inneren Kern der ehemaligen Lehmstadt rund um die Zitadelle wieder weitgehend rekonstruiert. So gewinnen wir zumindest einen kleinen Eindruck über die einstmals größte Lehmstadt im Iran. In Anbetracht der sonstigen Probleme die den Iran aktuell so plagen, glauben wir aber nicht, dass die Rekonstruktionsarbeiten weiter fortschreiten werden. Die Baucontainer rund um die alte Zitadelle sind verwaist und die Arbeiten eingestellt. 

 

 

Nach den doch etwas tristen und farblosen Eindrückendie Bam bei uns hinterlassen hat, kommt endlich wieder etwas mehr Farbe ins Spiel. Wir verweilen an der Wegkreuzung von Mahan im "Garten der Prinzen" (Baq-e Shahzadeh) und besuchen das Grabmal eines großen Sufi-Meisters bevor wir uns in das dichte Verkehrsgewühl von Kerman stürzen. Rund um Kerman finden wir keinen wirklich schönen Platz zum und fahren auf dem Parkplatz des Hotels Akhavan in der Stadtmitte. Overlander sind hier willkommen und so stehen wir hier drei Tage im ruhigen Hinterhof des Hotels. Wir nützen die gute Versorgung mit Wasser und reinigen wieder mal gründlich unsere Wassertanks und erkunden den noch sehr ursprünglichen Bazar der Stadt mit seinen innenliegenden Höfen und Restaurants. Als wir so durch den Bazar schlendern und das Treiben und Leben des iranischen Alltags beobachten dauert es nicht lange bis wir eine Einladung von einem iranischn Ehepaar erhalten. Badry und Said holen uns am frühen Abend am Hotel ab und wir verbringen zusammen einen geselligen Abend in ihrem Haus am Stadtrand von Kerman. Said ist Musiker und Gitarrenlehrer, beherrscht natürlich auch viele andere traditionelle Seitenintrumente und so kommen wir in den Genuß eines privaten Musikabends. Der Iran hat uns wieder...


Die Wüste ruft!

 

Kerman ist nicht nur wichtige Handelstadt, sondern auch der zentrale touristische Ausgangspunkt um in die Wüste Lut zu fahren. Zwischenzeitlich regnet es immer wieder  in Strömen. Die Temperaturen sind deshalb erträglich. Vorher müssen wir aber noch zwei Dinge klären: Um weiter und tiefer in die Lut einzufahren benötigen wir eine spezielle Genehmigung. Außerdem sind wir alleine unterwegs und das Risiko mit einem technischen Defekt oder Orientierungsproblemen, mitten in der von langen Canyons durchzogenen Wüste - ohne Kontakt zur Außenwelt -  hängen zu bleiben, ist einfach zu groß. Wir fahren deshalb in die Oasenstadt Shadad und wollen uns umhören. Im Winter gibt es dort ein Wüstencamp das während der Saison im Winter  der Dreh- und Angelpunkt für die meisten Touren die in die unendliche Weite der Lut ist. Die Wüstensaison für die Lut ist aber schon am ausklingen. Es wird immer wärmer und bald ist das innere der Lut nicht mehr befahrbar. Es wird einfach zu heiß und im Sommer werden dort angeblich Temperaturen bis zu 60 Grad gemessen. 

 

An der einzigen Tankstelle im Dorf tanken wir den MOG noch randvoll mit Diesel und Wasser und als wir im wenigen Kilometer entfernten Camp ankommen haben wir Glück. Gerade ist eine kleine Touristengruppe mit drei Fahrzeugen in Begriff das Camp zu verlassen. Sie sind gerade von einem Tagesausflug zurück.  Wir kommen noch mit den Guides ins Gespräch und erkundigen uns nach Möglichkeiten in die Lut zu fahren. Sie versprechen uns die notwendigen Gehmigungen zu besorgen und uns zu begleiten. Ihr Nissan, den sie als Begleitfahrzeug zu Verfügung stellen, macht einen recht soliden Eindruck. Schnell werden wir uns handelseinig und verabreden uns für den nächsten Tag. Wir vereinbaren mit unseren Guides eine Strecke um die 300 - 350 Kilometer und sind drei Tage unterwegs. 

 

Das Abenteuer "Lut" beginnt. Über lange, teils sehr tiefsandige Ebenen dringen wir in die innere Lut vor. Wir schlängeln uns durch enge Felsen-Canyons und queren kleinere Dünengebiete denen wieder felsige und steinige Passagen folgen. Ziemlich zentral in der Lut, bei den bis zu 300 Meter hohen Dünen, ändern wir wieder die Richtung der Hauptpiste die die Lut duchschneidet.  Der MOG schlägt sich tapfer und kein einziges Mal bleiben wir richtig stecken. Den Luftdruck haben wir je nach Sandpassagen auf bis zu 1,0 bar reduziert und trotz aller Bedenken die wir zu Anfang noch hatten, schaffen wir auch die langen und steilen Anstiege spätestens beim zweiten Anlauf. Um die höheren Dünen queren zu können müssen wir aber immer wieder eine andere Wegsstrecke wählen, als der leichte Nissan unserer Guides. Das kostet Zeit und wir kommen langsamer voran als geplant. Mit unseren Querungen im Oman und vorher in der kleinen Wüste bei Yazd sind diese Strecken nicht zu vergleichen. Die Guides navigieren routiniert durch die Canyons und Felsformationen und umfahren die großen Dünengebiete. Wir erleben ein paar Wüstentage vom Feinsten und genießen die unheimliche Stille bei den Ruhepausen und in den sternenklaren Nächten. Die Lut war zweifelsohne DAS Highlight unserer Reise an den östlichen Rand des Irans.

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