"Wir sind endlich unterwegs, und es fühlt sich alles noch so normal an.."

 

Als wir am 7. Oktober 2017, ziemlich genau Punkt 12:00 Uhr in Ersingen vom Hof rollten, war es wie eine normale Abfahrt ins Wochenende, oder in den Urlaub. Rückwärts bewegte sich der MOG aus der Einfahrt vom "Platz-Haus" in die gegenläufig ansteigende Bergstraße. Fünften Gang einlegen, und ab geht's den leichten Berg runter.  Aber halt!  Etwas war anders:  Dieses Mal rollten wir mit lautem Hupen die Bergstraße runter, die Nachbarn winkten uns zu und im Rückspiegel sahen wir Claudias Eltern vom Balkon winken. 

 

"Geht's jetzt wirklich los?" Wortlos, mit starren Blick und feuchten Augen fuhren wir Richtung Autobahn Pforzheim/West. Die letzten Tage vor "High Noon" waren lang, die Nächte kurz und wir mittlerweile ziemlich ausgelaugt - auch vom Abschiednehmen auf Zeit:  von den Kindern, Claudias Eltern, und vor allem von den Freunden:  DEN  FREUNDINNEN und FREUNDEN von Claudia, die für uns den "Laden" in Deutschland zusammenhalten, unsere Post lesen, sie weiterleiten, das Notwendige veranlassen wenn es mal "brennt" - und überhaupt: alles in die richtigen Bahnen lenken, während wir "durch die Welt gondeln..." An dieser Stelle sei noch einmal gesagt:

Danke!!!  Verena, Marion und Stefan, Susanne, Alex und Thorsten

Abfahrt am 7.10.2017 in Kämpfelbach. Die letzten "Brezeln aus Bayern"auf dem Weg nach Samnaun und unser erster Übernachtungsplatz in Südtirol.

Zügig und mit "vereinten Kräften" durchqueren wir Italien bis nach Bari und verladen den MOG auf die LKW-Fähre nach Griechenland. Am nächsten Morgen und knapp neun Stunden später, rollen wir in Igoumenitsa schon wieder von Bord. Von dort sind es nur noch ein paar Stunden bis nach Kalambaka, dem Zentrum um die Meteora-Klöster in Norden von Griechenland.


Die Meteora Klöster.

Mitte Oktober ist die Gegend um Kalambaka ein für uns idealer Ort um erst einmal "anzukommen". Griechenlands Sonne sorgt für gute Laune und der knapp einstündige, steile Anstieg aus dem Dorfzentrum, hoch zum Kloster Triade, tut unseren von der Anreise ermüdeten Knochen gut. Wir atmen im wahrsten Sinne des Wortes "tief durch".

Fotos: Das Städtchen Kalambaka am Fuße der Sandsteinformationen, auf dessen Spitzen um das 13.Jahrhundert die ersten kleinen Klöster errichtet wurden. Heute sind noch fünf Klosteranlagen rund um Kalambaka in Betrieb, für die Öffentlichkeit  zu besichtigen, aber trotzdem immer noch ein Ort tiefer Spiritualität und Andacht.

 

Fotos: "Oben bleiben." Auf den kleinen Schotterpisten rund um die Kalambaka finden wir immer wieder die schönsten Plätze für die Nacht. Die Luft ist klar und die Aussicht auf die umliegenden Städte (Nachtaufnahme von Trikala) sind greifbar nah. Wir genießen die Ruhe. Morgens wecken uns die Glocken des nächst gelegenen Klosters. Ganz leise... Bim.Bim.


Über die Ausläufer des Olympos-Nationalparks nach Thessaloniki

Drei Tage verbringen wir mit Klosterbesichtigungen, Ausspannen und kurzweiligen Spaziergängen. Aber bei aller Begeisterung für die Schönheit der Landschaft und die besinnlichen Momente in den Klosteranlagen rund um Kalambaka, wir müssen weiter. Der November naht und wir haben schließlich noch die Türkei und Teile Georgiens und Armenien vor uns. Spätestens in der ersten Dezemberwoche müssen wir im Iran einreisen, sonst verfallen unsere Visa. Also ab Richtung Thessaloniki - nicht über die Autobahn, sondern hinten durch über die Berge. Und wie es wieder mal so ist: wir kommen gerade mal knapp hundert Kilometer weit. Ein schöner Stausee am Ende der kurvigen Bergstraßen mit unterwegs grandiosen Ausblicken lädt uns wieder zum Verweilen ein. Wir finden ein schönes Plätzchen am Strand und machen am Abend unser erstes Lagerfeuer. Ein griechisches Pärchen, dass uns am Abend neugierig besucht, gibt uns den Tipp auf die andere Seite vom See zu fahren. Von dort  führt eine kleine Straße über Schotterpässe Richtung Katerini. "Mit einem 4x4 oder unserem "Amazing Truck" sei das kein Problem, versichern sie uns glaubhaft. Am nächsten Tag packen wir ein und kurven los - im wahrsten Sinne des Wortes.  Unterwegs passieren wir ein paar kleine Dörfer, kaufen ein und queren wieder mal ein inzwischen verlassenes Sommer-Dorf, hoch oben in den Bergen. Als wir in dem Dorf kurz pausieren und die Aussicht genießen, kommt eine Dame um die Ecke gebogen und bietet uns prompt ein paar frisch geerntete Äpfel an. Die weitere Fahrt durch die Ausläufer des Nationalparks werden zu einer grandiosen Sightsseing-Tour auf Schotterpisten. Über Stunden kommen uns nur zwei Autos entgegen. Auf der Passhöhe biegen wir nochmal auf eine etwas ruppigere Schotterpiste ab. Mit Allrad und teilweise aktivierten Sperren fahren wir den MOG über die Baumgrenze hinaus - und stehen plötzlich auf einer Schleppliftrasse, der Mittelstation von einem kleinen Skigebiets. Naturgemäß gestaltete sich die Suche nach einem halbwegs ebenen Stellplatz hier ein bisschen schwieriger, führte aber dann doch zum Erfolg. Der Ausgangspunkt für eine am nächsten Tag geplante Bergwanderung war erreicht. Gut, dass wir eine "Hütte auf Rädern" haben. Am nächsten Morgen ließen wir den MOG stehen und machten uns auf eine kleine fünfstündige Wandertour zum nächst gelegenen Gipfel,  bevor wir uns weiter Richtung Thessaloniki auf den Weg machten. Weit kamen wir wieder nicht. Nach gerade mal knapp 60 Kilometern erreichten wir das Meer in der Nähe von Katerini und parken einfach am Strand. Einsam und ohne Menschen um uns herum. Griechenland um diese Jahreszeit ist einfach eine Wucht. Wunderschön.

 Kurvige Schotterpässe durch herbstliche Wälder, "Apfelversorgung" im Dorf und wieder ein außergewöhnlicher Stellplatz mit grandioser Aussicht. Wir bleiben oben!

 


Wir sind in Thessaloniki angekommen. Im Internet lesen wir von einer Caravan- und Wohnmobilwerkstatt in Peraia, die die Brüder Zampetas dort aufgebaut haben. Wir werden herzlich willkommen geheißen und gleich mit vielen Tipps versorgt. Beide haben in Deutschland gearbeitet und bieten durchreisenden Wohnmobilisten einen kostenlosen Stellplatz mit allem notwendigen Komfort auf ihrem Firmengelände an. Das Gelände liegt in der Nähe des Flughafens, und mit der Fähre oder mit dem Bus, sind wir in rund einer Stunde mitten in der Innenstadt der zweitgrößten griechischen Stadt. Kulturzeit und Großstadttrubel nach vielen ruhigen Tagen und Nächten in der Natur. Thessaloniki gefällt uns.

 

Was für eine Stadt! Was für eine Überraschung! Kaum zu glauben, dass diese Stadt eigentlich nur rund 330.000 Einwohner hat.  Während auf den vielen Plätzen in der Innenstadt das Leben pulsiert, die vielen Tavernen, Kneipen, Cafes und Bars mit meist jungen Leuten gut besucht sind, geht es in den oberen Stadtteilen von Ano Poli, der Altstadt, beschaulich ruhig zu. Fast hinter jeder Ecke verbirgt sich ein kleiner Platz mit schönen Ausblicken auf die Unterstadt und den umschließenden Hafen. Die alten Häuser im oberen Teil der Stadt versprühen manchmal den Charme "besserer Jahre", aber es wird noch gebaut oder wenn möglich renoviert. Wir sind einen langen Abend und einen ganzen Tag zu Fuß in der Stadt unterwegs - ein gesundes Fitness-Programm. Die lange Hafenpromenade ist am Abend bei Sonnenuntergang Flaniermeile, Jogging-Parcour und Boulevard der Musiker - und wir sind Zuschauer. Ja, wir haben uns verliebt in diese Stadt. Der Abschied fällt nicht leicht. Daran werden wir uns aber gewöhnen müssen...

 

Fotos: Gut beschirmt in Thessaloniki. Die Gegend um den Hafen ist bei Sonnenuntergang der Treffpunkt der Stadt. Die Bars sind voll, während sich auf dem Boulevard der Verkehr langsam durch die Stadt schiebt. Auch aus architektonischer Sicht ist Thessaloniki ist auf jedem Fall eine Reise wert.

Von der Altstadt von Thessaloniki, Ano Poli, bieten sich grandiose Blicke auf die Unterstadt und den Hafen. Tagsüber und auch abends geht es hier beschaulicher zu.


Jetzt heißt es Abschied nehmen vom schönen Griechenland. Wir haben nur einen ganz kleinen Teil neu erfahren und erlebt. Leider war die Zeit viel zu kurz. Der MOG scharrt mit den Hufen und wir fahren langsam weiter Richtung Türkei. In den nächsten ein bis zwei Tagen werden wir die Grenze passieren und uns dann Richtung Kappadokien bewegen. News gibt's wie gewohnt bei facebook unter: https://www.facebook.com/noplanisagoodplan/ und an unsere Freunde und Bekannten, die Facebook meiden, per whats app.


Kommentare: 5
  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex