Oman (3). Heavy Metal bei Deers United in Salalah. Hamdullilah!

 

Bislang lief unsere Reise wirklich problemlos. Wir haben wunderbare Begnungen mit Menschen, lernen neue Freunde kennen und kommen immer mehr vom "Urlaubsmodus" in den "Reisemodus". Auch unser MOG tut seinen Dienst. Zuverlässig. Einzig die Dachträgerkonstruktion entpuppt sich auf den vielen schlechten Straßen und Pisten als eine Fehlkonstruktion. Immer wieder reißen die Schweißnähte infolge von Vibrationen und Geschüttel und deshalb müssen wir das "Geraffel" immer wieder selbst notdürftig mit Bordmitteln reparieren, um später irgendwo eine Werkstatt zu finden, die uns den Edelstahlträger wieder zusammen schweißt. So gab er wieder mal auf den schlechten Wellblech-Schotterpisten in der Al Wusta wieder seinen Geist auf - wir sind reichlich genervt - und wir beschliessen deshalb in Salalah dem Übel endgültig ein Ende zu machen.

 

Da wir im Norden vom Oman die wunderbare Bekanntschaft von Kathi und Claudio machen durften, rollen wir mit großer Zuversicht in Salalah ein. Claudio hat schon bei seinen Kontakten vorgefühlt und zwei Tage später stehen wir bei "Deers United Enterprises" in der Stahlmeile von Salalah vor der Tür. Bei einer genauen Untersuchung  der Halterungen und der Karosseriebefestigungen stellt sich aber bald heraus: hier ist Hopfen und Malz verloren. Die Aufnahmen des Trägers führen bereits zu Rissen in der Karosserie und wir entschließen uns zu einem Komplettumbau. "In zwei bis drei Tagen ist alles fertig" und unter dieser Devise ging es an den Bau eines neuen Trägers. Claudio kann sogar richtiges Edelstahl zu einem guten Preis auftreiben und die Jungs im Workshop legen los, mit einer rudimentären "Konstruktionszeichnung" auf der Stoßstange.Um es kurz zu machen: Nach rund fünf Tagen hatte der MOG einen neuen Dachträger. Leichter, stabiler und praktischer als die alte Konstruktion. 

 

Ich bin jeden Tag in der Werkstatt mit dabei, denn konstruiert, oder besser gesagt, improvisiert, wird am Objekt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Aber meine Geduld (die schon richtig groß geworden ist) treibt mich doch manchmal bis an den Rand der Verzweiflung. Da unser MOG in der Werkstatt steht, nehmen uns Kathi und Claudio bei sich zuhause auf, inklusive der kostenlosen abendlichen "Therapiesitzungen" bei einem kühlen und köstlichen Peroni-Bier, wo speziell mir von den beiden Afrika erfahrenen Gastgebern immer wieder Mut und Zuversicht eingeflößt wird. Alles wird gut! Claudia nutzt die Zeit um all unsere Wäsche mal richtig durchzuwaschen, und die obligatorischen "Putz- und Flickstunden" abzuarbeiten. Und so genießen wir die gemeinsamen Abende bei Kathi und Claudio, wenn ich wieder aus dem Workshop zurück bin. 

 

In dieser Zeit  wachsen mir die Jungs von Deers United richtig ans Herz. Da wird gesägt, geschliffen, gefeilt und gebohrt was das Zeug hält - und täglich sind kleine Fortschritte zu erkennen. Schon bei reinen Zuschauen lerne ich viel - vor allem aber auch Geduld und gute Laune zu behalten. Als der MOG dann endlich mit dem neuem Edelstahl-Geweih auf dem Dach die Halle von Deers United verläßt bekommen sie von Jürgen den Ritterschlag verpasst: Jürgen ist Stahlbauer von Beruf und mit seiner Frau Ingrid ebenfalls in einem Unimmog auf Weltreise. Wir hatten uns vorher schon mal kurz getroffen und sie besuchen uns in Salalah, da wir ein paar Tage zusammen fahren wollen. Seinen Mog hat er selbst auf- und ausgebaut. Also ein Mann der schon weiß, wovon er redet. "Konstruktion gut und stabil. Im Prinzip alles richtig gemacht" - so sein fachmännisches Urteil nach kurzer Begutachtung des neuen MOG-Geweihs. Also mal ehrlich: wer fährt schon einen "Made in Salalah" Dachträger auf seinem MOG spazieren? Diese Tage werden uns immer in Erinnerung bleiben.

 

Danke an Kathi und Claudio für eure so nette Gastfreundschaft - und mehr! Danke an die Jungs von Deers United Enterprises. 
Thank you, Belal Uddin, Muzib and the two Mirza brothers, "Scorpio" and Salman. Great Job! Hamdulillah!