Iran: Das Land der Willkommenskultur, der Neugierde und vieler Selfies


 

„Mister, Mister! „ „Hello, from where are you?“ „Welcome to Iran !“ „Welcome to my country!“  „What’s your name?“ „Can I help you?“ „Please, Selfie, Selfie - with you!“ „I will show you my home town!“ „Can we invite you in our house?“ „Please, please come with us!” Rund vierzig Tage sind wir durch den Iran gereist und erlebten diese Zeit wie einem Film der viel zu schnell geschnitten ist. Alles ging Schlag auf Schlag. Die liebenswerten Menschen im Iran legen für uns Reisende eine Form der Gastfreundschaft und „sozialer Betreuung“ an den Tag, die einem kaum Zeit zum Relaxen lässt. Manchmal haben uns die Iraner förmlich „aufgefressen“, und nicht nur einmal unsere Planungen und Besichtigungspläne in den Städten gründlich über den Haufen geschmissen. Wie heiß es so schön: Noplanisagoodplan!

 

In unserer ersten Runde durch den Iran, den Nordwesten und Zentral-Iran, haben wir einen wunderbaren Iran kennen gelernt. Wir erlebten eine so großartige Gastfreundschaft, die wir auf allen unseren Reisen bisher, noch nie in diesem Ausmaß haben spüren dürfen. Speziell Touristen aus dem Westen zollt man höchsten Respekt und Aufmerksamkeit. Und wenn die Iraner und Iranerinnen herausfanden, dass wir aus Deutschland kommen, wurde alles gleich verdoppelt. In kaum einem anderen Land fühlten wir uns bisher so willkommen und sicher. Wir übernachteten mitten in Städten auf Parkplätzen an einen er zahlreichen Parks, dort wo auch die Iraner gerne ihre Zelte aufschlagen, oder zumindest an den freien Tagen ihre Picknick-Decke ausbreiten. In den sechs Wochen durch den Iran haben wir echte und tiefe Freundschaften geschlossen und auch immer Einladungen abgesagt - und es hat uns echt leid getan. Noch heute – wir sind inzwischen im Oman – haben wir regelmäßigen Kontakt via What’s App oder Telegram zu unseren neuen Freunden. Und wir freuen uns schon, wieder in den Iran zurück zu fahren und dann die östlichen Regionen , die großen Wüsten und die Gebirge rund um Teheran zu erkunden. 

 

Der Iran ist riesengroß, knapp fünf Mal so groß wie Deutschland, die Einwohnerzahl mit rund 80 Millionen Menschen ist nahezu identisch mit Deutschland. Die Landschaften, ob Wüsten oder Gebirge, sind eindrucksvoll, die Weiten dazwischen grandios. Die größeren Städte wie Tabriz, Isfahan, Yazd oder Shiraz sind geschichtliche Hochkultur, jede Stadt für sich ein Juwel und einzigartig. Liebevoll gepflegt und auf Erhaltung der alten Bausubstanz bedacht, präsentieren sich die traditionellen Baudenkmäler in den Städten und erinnern an die Zeiten der Hochkultur von Mesopotamien und dem großen persischen Reich, als der Handel auf dem Netzwerk und vielen Verzweigungen der alten Seidenstraße in Blüte stand und die Reichtümer und Errungenschaften aus Indien und dem Orient in den Westen brachten.

 

Wir erlebten aber auch einen, zumindest in den Städten, sehr modernen Iran. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Man muss es nur finden. Der Handel in den Bazaren und Einkaufmeilen ist rege, die Infrastruktur überwiegend auf einem recht hohen Niveau. Universitäten, Schulen und soziale Einrichtungen oder Krankenhäuser sieht man zur Genüge. Wo immer man steht, fährt oder geht, man spürt förmlich das „wir wollen mehr“ der Menschen in diesem Land.  Kein Wunder: 60 Prozent der Bevölkerung im Iran sind unter 30 Jahre alt und Schulen und Universitäten sorgen für einen recht hohen Bildungsstandard, speziell bei der jüngeren Bevölkerung. Auch die "westliche" Welt ist für die jungen Iraner und Iranerinnen längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Satellitenschüsseln, Internet und Social Media tun das Übrige und Notwendige. Von wegen, „finsterer Ayatollah-Staat“.

 

Unser Reisebericht liegt jetzt schon etwas länger auf Halde, denn mangels guter Internetverbindungen haben wir mit dem Upload immer wieder warten müssen und die Veröffentlichung geschoben. Und natürlich haben wir auch die Ereignisse der letzten Wochen im Iran aufmerksam verfolgt. Vor allem in Anbetracht der aktuellen Situation erlaube ich mir zumindest ein paar Dinge aus unserer Sicht und Reiseerfahrung anzumerken. Die mediale Darstellung, Berichterstattung und Analysen der innenpolitischen Situation im Iran in unseren westlichen Medien, sind nach unserer Einschätzung nur bedingt zutreffend und teilweise grob überzogen - soweit wir sie verfolgen konnten.

 

Der große Unmut und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die man gerne in die Berichterstattung hinein interpretiert, können wir so nicht nachvollziehen. Es mag schon richtig sein: vieles ist verboten oder je nach Region nicht so gerne gesehen. Es gibt auch klare Vorgaben seit der Revolution 1979, die die Individualität und Persönlichkeitsrechte sehr stark einschränken, zumindest nach westlichen Denkmustern. Aber diese Einschränkungen finden wir auch in vielen anderen Staaten in Arabien, Asien, Afrika oder Südamerika, und nicht zuletzt auch in Russland. Bemerkenswert ist aber zu sehen, wie die Menschen im Iran damit umgehen: denn die Realität sieht oftmals ganz anders aus. Und eines dürfen wir dabei auch nicht vergessen: es ist ein islamisches Land und Staat. Die Menschen im Iran haben aber einen eigenen Weg entwickelt damit umzugehen. Die Tradition, der Glaube und das politische Diktat der Religion im Iran verwebt sich mittlerweile auf eine ganz besondere Art mit dem Alltag, und mit der „anderen“ Welt. Sehr treffend beschreibt dies auch das Buch „Couchsurfing im Iran“ von Stephan Orth. Solche Erlebnisse wie in diesem Buch beschrieben, hatten wir auch - und nicht nur einmal. Die Iraner und Iranerinnen, die wir kennen gelernt haben, setzen sich konstruktiv-kritisch mit ihrer Situation und der ihres Landes auseinander und präferieren mit Bedacht auf eine zwar langsame, aber kontinuierliche Entwicklung ihres Landes. Natürlich knirscht man manchmal mit den Zähnen, aber wo tut man das nicht? Man muss dem Land auch die Zeit geben sich zu entwickeln.

 

Der Iran ist spannend, und er bleibt es. Leider ist es auch so, dass die Äußerungen und Drohungen des „Irren aus Washington“ und die Allianz der USA mit Saudi Arabien, Unsicherheit und Angst in den Augen hervorruft, vor allem auch vor dem was da noch kommen könnte. Zumindest der ältere Teil der Iraner hat nicht vergessen, dass der achtjährige Krieg des Irak gegen den Iran (1980 -1988) auch mit Unterstützung der USA, seinem Geld und Waffen inszeniert wurde und in einer einer blutigen Schlacht endete. Und das Verhältnis zwischen Saudi Arabien und dem Iran ist nicht erst seit gestern mehr als gespannt, nur mit dem Unterschied, dass sich die Medien sich hier zurückhalten und die Politiker mit Saudi Arabien paktieren und weiter kräftig Waffen liefern. Das muss schon angemerkt werden - während der Iran weiter von Boykottmaßnahmen tangiert ist. Das sollte uns schon zu denken geben. 

Den intensiven Kontakt zu den überwiegend jungen Iranern haben wir auch einem glücklichen Zufall zu verdanken: An einem unter Overlandern bekannten Stadtpark in Tabriz, treffen wir auf Michael. Er ist seit über 6 Monaten aus der Nähe von Frankfurt mit dem Fahrrad in den Oman unterwegs. Er lebt in den Städten meistens bei iranischen Familien die im Unterkunft gewähren. Die Kontakte macht er über das Internet - via "Warm Shower" oder "Coachsurfing". Durch den in riesengroßen Schritten herannahenden Winter und Temperaturen, die bereits in Tabriz nachts an die Null-Grad-Grenze kommen, nehmen wir Michael später im MOG bis nach Isfahan mit. So zogen wir in den ersten beiden Wochen überwiegend mit ihm und seinen Gastgebern durch Tabriz und Isfahan – oft auch abseits von normalen Touristenpfaden – und gewinnen so die ersten tieferen Einblicke und nehmen viele Erinnerungen mit.

Reisenotizen und Erlebnisse aus unserem iranischen Reisealltag

Es ist  der 15. November als wir in den Iran einreisen. Nach der türkisch-iranischen Grenze suchen wir im ersten größeren Ort Maku nach einem Telefonladen um eine Irancell-Simkarte zu besorgen. Wir fahren durch die Stadt und ein Mann kommt auf uns zu und fragt, ob er helfen kann. Er hält dann einfach ein Taxi an, palavert kurz mit dem Fahrer, der uns zum „Irancell-Shop“ voraus fährt. Kurzer Wink nach rechts – das war‘s dann. Irgendwie  funktionieren unsere Sim-Karten nicht und wir müssen scheinbar Guthaben nachladen. In der Stadt Khoy fahren wir auf den zentralen Parkplatz mitten in der Stadt. Schwupps kommt ein junges Paar auf uns zu und fragt neugierig nach unserem Problem, als wir ratlos auf der Hauptstraße nach einem Telefonladen Ausschau halten. Der junge Iraner checkt unsere Handys und lädt mittels seiner iranischen Kreditkarte Guthaben für 3 GB auf unsere Nummern. Nur mühsam lässt er sich davon überzeugen sich den Gegenwert doch bitte bezahlen zu lassen.  Das geht ja gut los....

 Im weiteren Verlauf auf dem Weg nach Tabriz machen wir einen kleinen Umweg über den Orumiyeh-Nationalpark, einem großen Salzsee um das alte Felsendorf Kandovan zu besuchen. Dabei machen wir Rast an einer Reihe von Imbissbuden und kommen mit zwei Brüdern aus Teheran ins Gespräch. Die beiden haben lange in Italien gelebt und gearbeitet. Sie drücken uns ihre Visitenkarte in die Hand. „Whenever you need support or help, call us. 24 hours per day.  Have a good trip and enjoy our country.“  Wir sind jetzt erst zwei Tage im Iran und haben schon zwei "Notfallnummern" in der Tasche. Welcome to Iran.

Das Felsendorf Kandovan

 Kandovan erinnert uns sehr stark an Kappadokien in der Türkei, nur mit dem großen Unterschied, dass die alten Felsenwohungen nicht nur eine touristische Attraktion sind, sondern auch heute noch bewohnt sind. Wir übernachten mitten im Dorf auf einem Parkplatz und fahren am nächsten Tag weiter nach Tabriz. Es ist kalt und die Standheizung läuft wieder den ganzen Abend. Mit solchen Temperaturen hatten wir nicht gerechnet und sind schon überrascht. 


Tabriz: Der größte Bazar im Iran, wenn nicht sogar der Größte  in der Welt

Heute ist der alte Handelsplatz an einer der alten Seidenstraße eine Millionenstadt, der Menschen wie ein Magnet anzieht, auch weil kräftig in den industriellen Ausbau investiert wurde. Maschinen- und auch Autobau sind die Stützen die die Stadt wachsen lassen. Man quält sich durch große Straßen in die Innenstadt und plötzlich ist alles anders. Mittendrin in der Stadt und zwischen all den Hochhäusern und ausufernden Flachbausiedlungen liegt der alte Bazar. Er ist einer der größten der Welt und das Gewusel der Händler, Lieferanten und Käufer ist faszinierend anzusehen.  Mittags gehen dann, wie in allen dieser Länder, die Rolltore runter oder die Stände werden mit Tüchern verhängt. Dann ist alles geschlossen, erst am Abend geht es wieder los. Rund 55.000 Geschäfte sind in den größtenteils überdachten Hallen und Gängen des Bazars untergebracht. Immer wieder wurde er durch Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut. Man kann tagelang darin herumlaufen und entdeckt immer wieder Neues. Durch Michael lernen wir auch Reza aus Tabriz (18) kennen. Sein Vater hat ein kleines Restaurant mitten im Bazar und er hilft dort jeden Tag von 11:00 Uhr bis 15:00 Uhr kräftig mit. Mit der Schule ist er inzwischen fertig und jetzt lernt er täglich abwechselnd Arabisch und Englisch um sich für die Universität vorzubereiten. Fast zwei Tage nimmt sich Reza vor und nach der Arbeit Zeit und zeigt uns seine Lieblingsplätze im Bazar und in Täbriz.

In Tabriz selbst übernachten wir an einem Park, ziemlich zentral in der Stadt gelegen. Zusammen fahren wir mit der erst kürzlich eröffneten U-Bahn in die Stadtmitte von Tabriz. Ein junger Iraner lauscht unserem Gespräch und spricht uns in Deutsch an. Er heißt Farhad und lernt seit 3 Monaten unsere Sorache  an der Schule. Sein Deutsch ist schon sehr perfekt und er nutzt die Chance uns spontan in den Bazar zu begleiten , dann muss er wieder in die Uni… So bummeln wir zuerst mal alleine weiter und stehen irgendwann vor einem Teehaus in einer kleinen dunklen Gasse, unweit vom Hauptplatz in Tabriz. Wir zögern, ob Frauen da auch rein dürfen? Während wir überlegen, öffnet sich die Tür. „Come in“. „Welcome in Tabriz“. „Ali“ bittet uns herein. Er unterrichtet in Teilzeit an einem privaten Fremdspracheninstitut Englisch und spricht mit recht hartem amerikanischem Akzent. Schnell verwickelt er uns in ein langes Gespräch. Die USA findet er gut, eigentlich will er da auch mal hin…  Aber viel lieber will er nach Deutschland. Wir bekommen einen Tee nach dem anderen auf den Tisch gestellt und Claudia ist die einzige Frau in der Teebude. Sie ist einfach da. Niemand schert sich. Während unseres Aufenthalts wird das „Teehaus“ zu unserem zentralen Anlaufpunkt. Mit „Ali“ aus dem Teehaus fahre ich in die Automeile von Tabriz und wir finden eine Schweißerei, die auch Edelstahl schweißen kann. Während der MOG auf der Straße auf seine Behandlung wartet, versammelt sich die gesamte Automeile rund um den MOG und guckt zu. Mit großer Sorgfalt werden zuerst mal die notdürftig reparierten Stellen getrennt und geschliffen. Zwei Elektroden brutzeln den Träger wieder zusammen. Das sollte jetzt halten. Bezahlung? Fehlanzeige! Ali übersetzt. „Sie wollen kein Geld. Du bist Reisender und Gast. Sie freuen sich das wir in den Iran zu Besuch kommen.“ Aber: „Sie würden mal gerne hinten in den MOG rein gucken?“ Kein Problem. Schlangenstehen vor dem MOG… Wir bleiben doch länger in Tabriz als geplant und werden auch eingeladen eine Sprachenschule in Tabriz zu besuchen. Nach dem fast einstündigen „Kreuzverhör“ mit den Lehrerinnen der Schule haben wir hoffentlich ein bisschen mehr Grundwissen über Deutschland vermitteln können. Und noch was: Angela Merkel ist für die Frauen der Schule ein großes Vorbild. Sie drücken ihr die Daumen das sie weiterhin Regierungschefin eines solch tollen Landes wie Deutschland bleiben kann. Den Weg zurück machen wir mit dem Taxi, und dabei eine weitere Feststellung:  Weiblicher Sologesang ist im Iran eigentlich offiziell verboten. Aber im Taxi und in manchen Lokalen, wo überwiegend die jungen Iraner und Iranerinnen verkehren, tönen die melancholischen Balladen von Parissa, Maryam Akhondy und der schon lange verstorbenen Hayedeh von den MP3Sticks. Download macht’s möglich...



Isfahan, die Perle Persiens und seine jungen "Perlen"

Isfahan wie es leibt und lebt. Jung. Modern. Aufgeschlossen. Und manchmal auch richtig frech.

Zusammen mit Michael im MOG machen wir uns auf den Weg nach Isfahan, rund 700 Kilometer von Tabriz entfernt. Er verlädt sein Bike auf den Dachträger, denn bei Regen und teilweise Schneefall ist die Radsaison zuerst mal beendet. Unterwegs checkt er schon mal "Warm Shower" und bekommt eine Zusage. Wir bringen ihn fast bis vor die Haustüre und suchen uns dann selbst einen Platz, ziemlich zentral in der Stadt. 

 

Nach den Paradiesvorstellungen des Korans wollte Schah Abbas Ende des 16. Jahrhunderts Isfahan zu einer modernen Stadt umbauen. Isfahan wurde zu einem wichtigen Handelszentrum, in dem Religiosität und Kommerz die tragenden Säulen waren. Die Verbindung von Geistigem und Weltlichen, von Glauben und Architektur wird auf dem Königsplatz Medan-e Schah deutlich, auf dem sich Moschee und Basar gegenüber stehen. Mit 500 m Länge ist dieser Platz der größte der Welt. Wir erleben Isfahan bei sonnigen aber leider auch sehr kalten Wetter. Mal mit unseren Freunden, mal alleine erlaufen wir die Stadt und wenn die Distanzen zu weit werden, nehmen wir ein Taxi oder fahren mit dem Bus. Je nachdem: Zumindest in Isfahan fahren Männer und Frauen im gleichen Busabteil. In Tabriz war das „Transportsystem“ noch getrennt, Frauen müssen dort hinten fahren. Wie und nach welchen Regeln das genau funktioniert und unterschieden wird, das haben wir immer noch nicht verstanden. Man nickt, grüßt uns freundlich und lächelt verschmitzt, wenn wir einen Bus besteigen. Egal in welchen Stadtteil wir uns aufhalten, verlaufen oder tolle Baudenkmäler besichtigen. Laufend werden wir angesprochen während wir durch die Stadt bummeln.  Man wünscht uns alles GUTE! und ein Selfie mit der ganzen Familie oder Freunden gehört für uns inzwischen zur Tagesordnung. Wir bekommen schnell Routine und nehmen schon ganz automatisch „Haltung“ an, wenn wieder das Handy auf uns gerichtet wird.

 

Mit Michael und seinem Gastgeber lernen wir die Stadt auch von der anderen Seite kennen und bekommen einen tiefen Einblick, speziell in die junge Szene der Großstadt Isfahan. Bei den Frauen gehören taillierte Mäntel, rot lackierte Fingernägel, farbige, weit nach hinten gerückte Kopftücher zum Alltagsbild. Unter dem „Hijab“ sieht man nicht selten blondierte Strähnen. Eine Iranerin erklärt uns kurz und knapp: „Vieles ist verboten, aber wir finden immer einen Weg“ Und sie lacht dabei so laut und herzlich - und in ihren Augen blinzelt der Schalk. Die jungen Männer sind meist locker und sehr westlich gekleidet, haben viel Humor und ihre Barttracht erinnert manchmal schon sehr an unsere „Hippster“ – die kennt man hier im Iran aber (noch) nicht. Was auffallend ist, es gibt Cafés und Restaurants, wo auch die Frauen alleine hingehen oder sich mit Freundinnen treffen. Yak lädt uns und Michael  am Nachmittag in den Park zum Picknick und am Abend zu seiner Familie zum Abendessen ein. Es ist für uns die erste Einladung in eine Privatwohnung und wir konnten noch nicht ahnen, das es noch öfter der Fall sein wird.  Wir werden zum Probieren und  animiert, albern in der Küche rum und zum Essen nehmen wir am Boden Platz. Vorher wird noch schnell der Teppich mit einer Plastikfolie abgedeckt, obwohl in dem großen Wohnraum auch Stühle, Tische oder Sofas rumstehen. Im Laufe unseres Aufenthalts wechseln wir auch den Stellplatz und parken direkt auf dem Parkplatz vor der Freitagsmoschee. Mehr über dieses exponierten Stellplatz  findet ihr in Claudias Erlebnissen "Unter Frauen". Sie ist am Freitag in Isfahan einfach mal beten gegangen....

 

Der Stadtverkehr ist nicht nur in Isfahan ein Erlebnis der besonderen Art. Aus zwei Spuren werden vor dem Kreisverkehr gerne mal vier. Dazwischen quetschen sich noch die Motorradfahrer durch. Gefahren wird wo Platz ist und diesen drängelt man sich einfach frei. Überholt wird wo immer es geht, geparkt wird wo eine Lücke ist. Die Ampeln in den Großstädten scheinen in der Rush-Hour von selbst auf Dauergelb-Blinklicht zu schalten. Zur Einfahrt in den Kreisverkehr braucht man Gottvertrauen. Einfach reinfahren und sich durchspülen lassen – geht immer.  Der Verkehr in der Stadt hat irgendwie System - und wir haben bisher nur einen einzigen Zusammenstoß in der Stadt gesehen.

 

Noch viel interessanter ist es aber die Straße als Fußgänger zu überqueren. Das spielt sich ungefähr so ab: Man tritt auf die Straße, blickt nach links, sucht sich ein passendes Auto und fixiert es mit strengen Blick. Dann einmal tief durchatmen, einfach vor das Auto gehen, in bedächtigen und langsamen Schritten. Sobald dieser die Geschwindigkeit kaum merkbar verringert und nicht hupt, sucht man sich mit unverändert strengem Blick das nächste Fahrzeug in der Nebenspur, und setzt seinen Weg unbeirrt fort. Dann sollte man in der Regel in der Fahrbahnmitte angekommen sein.  Während man den Windhauch der hinter einem durchfahrenden Autos leicht im Nacken spürt, Haltung annehmen , ähnlich wie ein spanischer Torero: Aufrecht, den Po eingezogen, die Hacken zusammen, den Oberkörper leicht zur Fahrrichtung in die andere Fahrrichtung gedreht, den Blick jetzt nach rechts gerichtet – auf das nächste Auto der Gegenfahrbahn. Und das Spiel beginnt von vorne. Sobald man die andere Straßenseite und den rettenden Gehweg erreicht hat, dreht man sich um und guckt nach dem Partner. Wir werden immer besser . 


Ein kleiner Abstecher in die Wüste, der Ruhe wegen.

Inzwischen haben wir auch das gelernt: Wenn wir unsere Ruhe haben wollen, fahren wir in die Wüste. Zwischen Isfahan und Yazd ziehen wir unsere eigenen Spuren hinter Sanddünen, fahren über unglaubliche Weiten und auf kaum befahrenen Sandpisten. Zwischendurch halten wir an alten Karavansereien an . Wir genießen die Ruhe und die Abgeschiedenheit. So ist Privatsphäre im Iran. Als wir auf einer Schotterpiste durch eine wunderbare Schlucht fahren, kommt uns in weiter Ferne kommt wieder einer der vielen Rundhauber Mercedes Benz LKW, in eine riesige Staubfahne gehüllt, entgegen. Wir fahren rechts ran, schließen die Fenster und wollen warten bis er an uns vorbei gefahren ist. Der Fahrer hält an, der Versuch einer Unterhaltung auf Farsi scheitert natürlich kläglich, aber als Wegzehrung werden uns eine Orange und ein Schokoriegel ins Fenster gereicht. Obwohl wir schon längst an diese schöne Aufmerksamkeiten gewöhnt sind, freuen wir uns unheimlich und ziehen unseren Weg nach Yazd weiter. 


Yazd, die Stadt mit starken inneren Werten

Yazd wurde früher an einer Oase gegründet und liegt zwischen den Wüsten der Dascht-e Kawir und der Dascht-e Lut und im damit günstig im Wegegewirr der alten Seidenstraßen. Die Stadt besteht angeblich schon seit dem dritten Jahrtausend vor Christus - und ist damit einer der ältesten Städte. Bemerkenswert: noch heute ist Yazd das Zentrum der zoroastrischen Religion im Iran und man findet noch Feuertempel und Stätten dieser religiösen Minderheit, die im Iran allerdings voll toleriert ist. Bei ihrer Gründung vor tausenden von Jahren soll die Stadt an einem heute inzwischen trocken gefallenen großen Binnensee gelegen haben, was durchaus sein kann, denn in den Tagen vorher sind wir teilweise an einem großen Salzsee entlang gefahren. Deshalb ist es eine der Besonderheiten in Yazd, dass für die Wasserversorgung bis heute teilweise noch in der Antike angelegte Wasserkanäle und Röhren verwendet werden. Das eine oder andere kann man auch besichtigen, doch leider waren zu unserem Besuch die meisten Zisternen und Kanalsysteme geschlossen. Eine Besonderheit sind auch die Windtürme der Stadt, die zur Kühlung und Belüftung der historischen Häuser dienen. Besonders schön sind die flachen Häuser in der UNESCO geschützen Altsstadt.  Die Lehmhäuser werden heute noch bewohnt und zeitgenössisch in Stand gehalten. Die engen Gassen spenden Schatten und hinter den Eingangstoren blitzen kleine, grüne Gemüsegärten durch. In Yazd lernen wir auch vier Frauen aus Teheran kennen. Es ist herrlich wie sich auch den Dächern über Yazd wieder lange Gespräche bei Kaffee und Kuchen ergeben. Ihr Lebensfreude und sprichwörtliche "Frauenpower" lässt die Luft förmlich knistern. Sie sind auf einer Städtreise und lassen es mal richtig "krachen" sagten sie. Die Männer wollen sie nicht dabei haben. Eine  Einladung nach Teheran ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Schaun mer mal, wie es sich einrichten lässt. Die Abende verbringen wir in einem der Cafes oder Restaurants, wir sitzen auf dem Dach und genießen den weiten Blick über die Altstadt und lauschen dem Muezzin. 

 


Historischer Kulturtag: Auf dem Weg nach Shiraz kommen wir in Persepolis vorbei und übernachten direkt am Eingang der antiken Stadt. Die altpersische Residenzstadt Persepolis war eine der Hauptstädte des antiken Perserreichs und wurde 520 v. Chr. im Süden Irans in der Region Persis gegründet. Über 14 Gebäude sind auf einer extra angelegten Terrasse errichtet worden. Weitere Paläste wurden unmittelbar am Fuß der Terrasse ausgegraben. Die Palaststadt wurde 330 v. Chr. durch Alexander den Großen zerstört, aber ihre (teils wiederaufgebauten) Reste können heute wieder besichtigt werden und zählen heute zum UNESCO-Welterbe.  Beeindruckt und fasziniert von der antiken Meisterleistung, geschaffen aus Menschenhand - ohne Bagger oder große Baumaschinen – ziehen wir weiter Richtung Shiraz . Irgendwie sind die alten Ausgrabungsstätten aber nicht so unser Ding, es "menschelt" einfach nicht.


Shiraz: Die Stadt der Gärten und Architektur

Wir kommen in Shiraz zur Mittagszeit an. Ein guter Zeitpunkt um direkt in die Innenstadt zu fahren. Dann ist weniger Verkehr und die Chancen auf einen zentralen Parkplatz sind sehr groß. Wir parken wieder mitten in der Stadt, direkt am Stadtpark. Damit wir mit unserem MOG auch reinfahren können, wird kurzerhand das Zahlhäuschen mittels großen Eisenstangen von der Einfahrt weg gerückt. Als wir auf den Platz einfahren, treffen wir auf Sahra und Mirko, die sich gerade aufmachen wegzufahren. Die beiden sind ebenfalls auf den Weg in den Oman und haben sich ein Jahr Zeit genommen bis sie zurück nach Deutschland müssen. Wir tauschen die Telefonnummern aus und sind sicher uns wieder bald wieder zu treffen. Shiraz liegt im zentralen Süden Irans und ist für ihre Literaturgeschichte und ihre vielen Gärten bekannt. Auch das marmorne Hafis-Grabmal zu Ehren des berühmten Dichters ist von einem Garten umgeben. Als wir den Park besuchten, konnten wir miterleben, mit welchen Respekt und Andacht die Menschen dem Dichter und Poeten immer noch die Ehre gebieten. Hier lebt Tradition, Kultur und Geschichte noch in einem ganz großen Ausmaß. Zu Fuß erkunden wir weiter die Stadt und die Sehenswürdigkeiten, spazieren durch die großen und schönen Parks und lernen dabei natürlich wieder junge Iraner kennen. Da es kalt ist sitzen wir einem Abend zusammen im MOG und gehen am Abend gemeinsam essen. Shiraz erinnert uns auch sehr an Isfahan, weil die vielen jungen Menschen die Stadt bereichern und ihr ebenfalls ein sehr modernes Flair geben. Auch hier gibt viele Restaurants und Cafés, wo sich die jungen Leute sich treffen oder sie gehen picknicken in den Parks.  Ein ganz besonderes Schmankerl: Ein altes  Café an der Altstadtmauer. Dieses Tipp bekommen wir von Sahra noch zugerufen - und wir finden es auch. Früher war es einmal eine eine alte Wohnung, die jetzt von einem Familienmitglied zu diesem Café umfunktioniert wurde. Die alten Fotoalben die in dem Café auf den Tischen liegen, sind vergilbte Zeitzeugen aus der Zeit vor der Revolution und zeigen alte Mercedes Benz Limousinen und Männer in schwarzen Anzügen und Frauen in Petticoats. Auf dem Plattenspieler dreht sich eine Platte mit Chansons. Irgendwie, hätte das auch in Cannes sein können, nur so ist es nicht viel zauberhafter, weil es eben im Iran ist..


Unter Freunden (Teil1)

An einer Gasflaschenstation am Stadtrand von Shiraz werden wir von einem Iraner angesprochen. Er interessiert sich sehr für unseren MOG. Spontan lädt er uns in seine Jagdhütte in den Bergen hinter Shiraz ein. Es ist Donnerstagnachmittag und das Wochenende steht bevor. Er kann aber erst am Abend kommen und wir sollen schon mal vorfahren. Noplanisagoodplan. Wir drehen also wieder um und fahren in entgegengesetzter Richtung hoch in die Berge. Bei Dunkelheit warten wir auf Mehrdad, unseren Gastgeber,  am Straßenrand in einem Dorf. Dann kommt er mit seinem Peugeot angebraust, seinen 9-jährigen Sohn auf dem Beifahrersitz. Seine Frau ist leider nicht dabei, denn ihr ist es zu kalt hier oben, was wir durchaus verstehen können. Schnell wird unterwegs noch frisches Brot gekauft und weiter geht die Fahrt bis auf eine Höhe von 2.450 Meter ü.N. Die Temperaturen sind schon deutlich unter null Grad. Was wir dann erleben, verschlägt uns wieder die Sprache…

 

In Windeseile wird der Ofen eingeheizt, Plastiktüten aus dem Peugeot ausgeladen und ins Haus getragen. „Heute kochen wir zusammen“, sagt Mehrdad und spannt Claudia gleich mit ein. Sie schnippeln zusammen Gemüse, Mehrdad erklärt das Spezialrezept für die „Shiraz-Suppe“ und erläutert die Gewürze und Zutaten. Es wird kräftig gelacht in der Küche während ich mit einem jungen Burschen aus Afghanistan (er ist hier der Hauswächter) den Ofen weiter einheize. Laufend geht die Haustüre auf und neue Freunde kommen mit Plastiktüten bepackt aus Shiraz an. Jeder von uns schnippelt, steckt Fleisch auf den Spieß oder putzt den Salat und seine Zutaten. Mittlerweile ist es schon fast 22:00 Uhr und die Suppe köchelt seit über 2 Stunden im Steintopf vor sich hin und der Rauchtee brodelt über dem offenen Feuer. Die Plastikdecke wird am Boden ausgerollt, der „Tisch“ gedeckt. Gegen halb elf setzten wir uns alle auf den Boden und das Abendmahl beginnt. Lecker, Herrlich. Acht Männer und eine Frau…


Noch während des Essens wird von Sina (Mehrdads Sohn) der große Verstärker angeschlossen und eine improvisierte Discobeleuchtung angeschlossen. Eine starke Jagdlampe sorgt mittels bunter Plastikteller für blaue oder mal rote Hintergrundbeleuchtung und wir beginnen alle um den „Tisch“ zu tanzen – und hoffentlich nicht auf das Geschirr und die Essenreste zu treten. Irgendwie wird dann doch alles beiseite geschafft und die Musik auf eine infernalische Lautstärke gedreht. Noch nie habe ich in meinen 60 Lebensjahren so lange, so intensiv und so „hoch“ getanzt, gezappelt und gehopst. In den frühen Morgenstunden fallen wir erschöpft in das „MOGbett". Draußen hat es rund 10 Grad Minus. 

 

Und sie kennen keine Gnade! Ich wache mit einem ziemlichen Brummschädel auf, was wahrscheinlich auch an der Höhe liegt, und es beginnt von Neuem. Jeder beteiligt sich irgendwie an den Vorbereitungen für das Frühstück, während die Sonne nur langsam auf Touren kommt. Dann ist Boule angesagt. Mit großem Palaver und viel Spaß werden die Stahlkugeln gerollt bis einem die Finger festfrieren. Aber der Grill ist schon wieder angeheizt. Nach dem Mittagessen am späten Nachmittag räumen wir alle zusammen auf, wir aber bleiben mit Mehrdad noch einen Abend auf der Hütte, während die Freunde zurück nach Shiraz fahren. Lange sitzen wir am Kamin und erklären uns gegenseitig die Welt. Interessant. Am nächsten Morgen dann das große Finale: Wir dürfen nicht wegfahren bevor wir reichlich beschenkt werden. Ablehnen zwecklos: So wandert der eine oder andere Einrichtungsgegenstand aus der Jagdhütte in unseren MOG. Eine Heiratsgirlande mit der früher Kamele geschmückt wurden, ein Teppich und ein Steintopf, damit wir uns zukünftig selbst eine „Shiraz-Suppe“ zaubern können. Nach allen diesen intensiven Erlebnissen ist uns nach Ruhe und wir nehmen wieder fahrt auf. 

Es geht weiter Richtung persischer Golf. Wir flüchten förmlich vor der Kälte. An einem Stausee  in der Nähe von Firuzabad fahre ich den MOG in die Pampe als wir nach einem Übernachtungplatz suchen. Blitzschnell versenken sich die 6,8 Tonnen (wir haben die Wassertanks gerade aufgefüllt und die Dieseltanks randvoll gemacht) im nassen Sandboden. Schnell eilen „Irangriller“ herbei und wollen helfen. Mit allen Differzialsperren und im niedrigsten Gang kann ich den MOG langsam in der Rinne nach hinten bewegen. Dann werden Steine geschleppt, in die Rinne gelegt und der MOG wühlt sich im Schneckentempo vorwärts wieder Richtung festeren Boden. MOG sei Dank sind wir in knapp 30 Minuten wieder raus dem Schlamassel. Gerade als wir uns was zum Essen machen wollen, klopft es an der Tür. Ein Peugeot hat sich festgefahren und steckt hoffnungslos im Dreck. Also packen wir die Küche wieder zusammen und eilen zur Hilfe. Ruckzuck ist der Peugeot am Haken und steht wieder frei. Zusammen mit den jungen Iranern grillen wir uns in die Nacht und folgen intuitiv ihrer Warnung, hier nicht zu übernachten. Hier gibt es „Banditen“ sagen sie mit sorgenvoller Mine. Wir packen wieder zusammen und sie zeigen uns in der Nacht noch einen Stellplatz der als „sicher“ gilt. Wie wir Wochen später durch einen Internetkontakt im LKW-Allrad-Forum erfahren, ist in dieser Gegend tatsächlich ein anderer Reise-LKW mit Steinen beworfen worden. Glück gehabt…!


60!

Wir suchen die Ruhe und fahren in das Gebirge. Irgendwo biegen wir rechts in eine Gebirgspiste ab und es eröffnet sich ein weites, schönes Tal. Wir fahren weit rein und hoch rauf. Es ist fast Vollmond und ein schöner Platz um am nächsten Tag in mein 60. Lebensjahr zu rutschen. Hätte ich mir das jemals träumen lassen? Danke Claudia, für Dein Vertrauen und diese Reise, die noch lange nicht zu Ende ist…


Unter Freunden (Teil 2)

Den Schotter- und Wellblechpisten ist die Halterung unseres Dachträgers nicht gewachsen und schon wieder gebrochen. In der Stadt Jam fahren wir an eine Werkstatt und fragen nach Hilfe. Sofort setzt hektisches Telefonieren ein, ein Auto nach dem anderem kommt angefahren und alles wird klar gemacht. Ein Iraner holt einen Schweißer mit Gerät ab, ein anderer fährt 40 – in Worten VIERZIG – Kilometer um Edelstahl-Elektroden zu holen. Was für ein Wahnsinn! Natürlich dürfen und können wir die Einladung zum Lunch nicht ausschlagen. Es öffnet sich das Tor in einer langen Grundstücksmauer und wir stehen vor einem Palast – nein zwei Palästen. Das Anwesen unserer Helfer und Gastgeber! Die beiden Brüder haben Dattel- und Orangenplantagen, die besagte Werkstatt, und mindestens eine Tankstelle im Großraum Jam. Die Töchter und Söhne sind kräftig am Dolmetschen und gemeinsam besichtigen wir die Retortenstadt Jam – eine Stadt in der die Ingenieure aus den näheren Erdölraffinerien leben. Eine reiche Stadt. Die „Jams“, so nennen wir unser Gastgeberfamilie hier im Blog, gehören eindeutig zur Oberschicht. Mit einem Lexus V8 rollen wir durch die Stadt und selbst der Polizist grüßt und salutiert, als wir langsam durch die Stadt rollen. Unsere Gästewohnung hat mal so locker um die 200 qm und ist mit edelsten Teppichen ausgestattet. Im MOG schlafen ist strengstens verboten! Die ganze Familie kommt zusammen und wir essen gemeinsam zu Abend – am Boden – wo sonst? Leider ist unser Aufenthalt kurz, denn wir sehnen uns nach Ruhe und Alleinsein. Reisen im Iran kann ganz schön anstrengend sein. Mit feuchten Augen – auch in denen der „Jams“ - trennen wir uns am nächsten Morgen und nehmen Fahrt auf in Richtung Bandar Abbas. Aber, wir sehen uns wieder, auf dem Rückweg durch den Iran. Versprochen ist versprochen…

 

Nach zwei halben entspannten Tagen an der Küste des Persischen Golfs und 450 Kilometer weiter erreichen wir Bandar Abbas. Dort warten bereits Mirko und Sahra auf uns die wir ja ganz kurz in Shiraz getroffen hatten und seitdem über Whats App in Kontakt sind. Gemeinsam relaxen wir an einem Stadtpark von Bandar Abbas und kommen wieder nicht um eine gemeinsame Einladung herum. Mirko und Sahra haben schon kräftig genetzt-werkt und so feiern wir Mirkos Geburtstag auf der Dachterrasse eines Wohnhauses in Bandar Abbas. Mit dabei: drei junge Teheranerinnen, die die beiden Wochen vorher in der Hauptstadt kennen gelernt hatten. Zu Mirkos Geburtstag sind sie  „einfach mal so“ mit dem Flugzeug nach Bandar Abbas gekommen. Welcome in Iran…

 

Qeshm, die kleine Wüsteninsel vor Bandar Abbas

Wir haben noch Zeit eingeplant um einen kürzeren Ausflug auf die Insel Qeshm zu machen. Wüstenabschnitte und tiefe Canyons durchziehen die Insel im westlichen Teil. Außerdem werden auf der Insel auch noch die traditionellen Daus, die legendären Holzboote gebaut. Ganz ohne Pläne und Zeichenbrett, der Schiffsbauer hat sein Handwerk von seinem Vorgänger über Jahrzehnte gelernt und gibt es in dieser Tradition auch an seinen Nachfolger weiter. Doch es werden immer weniger, die sich für diesen aufwendigen Schiffsbau interessieren und bald wird dieses Gewerbe auch Geschichte sein. KUrz nach dem Hafen treffen wir Jonas, einen jungen Tramper aus Deutschland, dem wir schon vor ein paar Wochen in Yazd bei der Visaverlängerung begegnet sind. Er ist seit 11 Monaten per Anhalter unterwegs und zusammen fahren wir in die Hauptstadt der Insel. Anfänglich stehen wir an einem Strandrestaurant in der Stadt. Das Restaurant gehört Ali aus dem Iran und seiner Ehefrau Anneli aus Deutschland, die sich vorübergehend hier niedergelassen haben. Die beiden sind herzensgute Menschen und verwöhnen uns mit leckeren Fischgerichten im Restaurant. Mirko und Sahra kommen mit den drei Teheranerinnen hinterher. Da unser MOG mehr für das Gelände geeignet ist, als der Truck von Mirko und Sahara, erkunden wir die kleine Insel überwiegend auf den Offroadpisten und unternehmen eine morgendliche Bootstour in die größten Mangrovensümpfe Asiens - so sagen es zumindest die Insulaner. Mit Mirko und Sahra verabreden uns wieder für Bandar Abbas um dann später gemeinsam die Überfahrt und das Hafen-Procedere für die VAE in Angriff zu nehmen.


Im Team geht es mit der Fähre in die Emirate. Zu dritt geht alles besser.

Mittlerweile sind auch Peter und Anja mit ihrem MAN-Truck zu uns gestoßen. Wir sind über Whats App und Facebook ebenfalls schon länger in Kontakt, und so sind wir inzwischen drei Reiselaster, die sich Mittwochfrüh dem Einschiffungsmarathon hingeben. Über den Hafen wir viel erzählt und geschrieben. Aber er ist nicht minder chaotisch als ein beliebiger Hafen in Afrika oder zum Beispiel am schwarzen Meer. Für uns ist das ganze Hafen-Procedere kaum durchschaubar, und um uns den unnötigen Nervenkrieg zu ersparen, nehmen wir uns alle zusammen einen Agenten der für uns die Formalitäten erledigt,  die notwendigen Unterschriften und Papiere zusammenträgt und für die richtigen Stempel am richtigen Ort auf den in Farsi geschriebenen Dokumenten sorgt. Seit 8:00 Uhr sind wir alle im Hafen, warten, gucken und staunen. Zwölf Stunden später fahren wir den MOG auf die Fähre. Khoda havez - auf Wiedersehen Iran !

Dubai: To the Beach, "meet the boys" und Busrundfahrt mit hop on und hop off...

To the Beach! Bei Dunkelheit rollen wir alle zusammen an einen der öffentlichen Strände von Dubai, direkt gegenüber der künstlichen Insel „The Palm“.  Wir sind nicht alleine. Es ist Donnertagabend, und die Party beginnt! Freitag und Samstag sind in der Regel frei (ähnlich unserem Wochenende) und viele fahren dann raus an den Strand. Dicht gedrängt stehen Wohnwagen an Wohnwagen der Locals an der Waterfront, die dort schon länger stationiert sind. Das Ganze wirkt wie eine Schrebergartensiedlung – nur eben auf Dubaiisch. Kaum angekommen kommen wir mit unseren Strandnachbarn ins Gespräch. Bob und seine Freunde sind aus Dubai und Abu Dhabi und führen gerade ein etwas verrücktes Leben – sie leben ihren Hippie-Traum. Sie organisieren schnell den Pizzaboten und sorgen so für das Abendessen . Geld scheint bei den Boys nicht wirklich eine Rolle zu spielen, denn dicke V8 Monster, entweder als Pickup oder in Form eines Mustang Shelby sind derzeit ihr Leben. Sie schlafen auf der Ladefläche des Pickup, natürlich unter freiem Himmel, und gehen nebenbei irgendwelchen Gelegenheitsjobs nach. Ihre regelmäßigen Jobs haben sie mal eben hin geschmissen. Sicherlich wird sich das wieder ändern, spätestens dann wenn die Sonne wieder unerbittlich vom Himmel brennt. Noplanisagoodplan!  Zusammen mit Peter, Anja, Mirko und Sahra und den den „Boys“ verbringen wir lustige Abende am Strand. Wir nutzen die zwei Tage in Dubai und machen eine ausgiebige Stadtrundfahrt mit einem der hop on, hop off Touristenbusse. Es ist schon sehr warm, aber irgendwie werden wir mit dieser Stadt nicht wirklich warm. Mals und Wolkenkratzer sind eben nicht unser Ding. Als wir am Abend durch das Stadtviertel Greek laufen, sind wir schon wieder guter Dinge und speisen am Kanal auf indisch. 


Von Januar bis Februar erkunden wir den Oman


Inzwischen sind wir im Oman und haben mit unseren Freunden Stefan und Eva bereits eine gemeinsame Rundreise durch die Ausläufer des Hajar-Gebirge und die Wüste Wahiba-Sands gemacht. Wir werden  bis Ende Februar im Oman bleiben und im März wieder in den Iran zurückfahren. Mehr über unsere Erlebnisse im Oman, demnächst im Blog.

An dieser Stelle möchten wir einen ganz besonderen Dank aussprechen: Danke, an die vielen anderen Overlander, die in ihren Reiseblogs oder in Foren Stellplatztipps veröffentlichen, speziell über den im Iran. Da wir in den Städten meist diesen Empfehlungen gefolgt sind, war es für uns immer leicht einen strategisch guten und sicheren Platz zu finden. In dieser Hinsicht ist speziell die i-overlander-App zu empfehlen, und ganz besonders hat uns auch der Reiseblog der Stahlroths www.stahlroth.com geholfen, in dem wir immer wieder nachschlagen und tolle Tipps finden. 

Kommentare: 8
  • #8

    Claudia (Montag, 09 April 2018 06:02)

    Hi you 2!!
    It was wonderful to have met you both! And what a way to meet, right!?
    As we say, all happens for a reason, even getting stuck with a unimog!;)
    Stay safe and stay well. And stay in touch!!!!
    وداعا ���

  • #7

    Bernd (Sonntag, 18 März 2018 09:04)

    Au Backe, was für ein Kapitel auf Eurer Reise.
    Schön zu lesen, dass der MOG wieder surrt. Unser MAN will im Moment nicht starten und wir sind noch auf Fehlersuche aber es hat im Moment keine Priorität. Umzug ist wichtiger.
    Ich wünsche Euch weiterhin viel Luft unterm Diff und laßt Euch Zeit,
    Bernd

  • #6

    Klaus (Samstag, 20 Januar 2018 17:56)

    Servus Claudia und Flo,
    jetzt haben wir Eueren tollen Blog gefunden. Der 11.12. ist zwar schon eine gute Zeit her, dennoch wollen wir auch noch nachträglich zum 60. Geburtstag gratulieren. Eure Reise wird hoffentlich das schönste Geschenk bleiben, das man sich machen kann. Passt gut auf Euch auf! Liebe Grüße auch von LAN DY 30 an MOG :-)
    Liesi, Lena, Lukas und Klaus

  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex