Der ReiseMog

 

"Einen Unimog, das wär's doch", sagten wir uns immer wieder. Im Sommer 2016 machten wir uns dann endgültig auf die Suche. Gar nicht so einfach: die guten Exemplare sind inzwischen selten geworden und wir suchten noch dazu nach einem teil- oder sogar fertig ausgebauten Unimog. Einen kompletten Neuaufbau, wie bei den letzten Reisefahrzeugen wollten wir vor allem auch aus Zeit- und Platzgründen nicht mehr in Angriff nehmen. Das machte die Suche nach einem geeigneten, und für uns auch noch bezahlbaren Unimog, natürlich nicht einfacher...

 

Kaum ein Abend verging wo wir nicht die einschlägigen Internet-Foren durchforsteten. Im UNIMURR-Forum machten wir uns über die Technik und Möglichkeiten der vielen Unimog-Varianten schlau und erhielten viele Tipps und Unterstützung bei unserer Suche. Plötzlich poppte wieder eine E-Mail auf: „….ich hätte vielleicht das geeignete Fahrzeug für euch…“ Eine E-Mail zurück: „… wir kommen morgen gucken….“ Praktisch: der Standort des Mogs war ja quasi gleich um die Ecke, rund 30 Kilometer von Stuttgart entfernt. Da stand er nun , der "MOG". Gepflegt und gehegt vom Vorbesitzer.  Die Technik auf dem ersten Blick in einem sehr guten Zustand. Der Grundriss und die Einrichtung der Kabine gefiel uns auf Anhieb. Alles passte. Liebe auf den ersten Blick. Probefahrt. Handschlag. Eine Woche später ging „Käpt’n Blaubär“, so wurde er von seinem Besitzer liebevoll genannt,  in unser Eigentum über. Das war im November 2016.  "We keep the MOG rolling" Danke Andreas!

Der ReiseMog: 168 PS, 6 Meter lang, 2.30 Meter breit, 3.40 Meter hoch und 38 Jahre alt. Die letzte Testreise ging nochmals in die Auvergne. Ready for take off!
Der ReiseMog: 168 PS, 6 Meter lang, 2.30 Meter breit, 3.40 Meter hoch und 38 Jahre alt. Die letzte Testreise ging nochmals in die Auvergne. Ready for take off!

 

Alles in allem hat der MOG so ziemlich alle technischen Grundvoraussetzungen, die auf unserem Wunschzettel standen. Der Sechszylinder-Motor (OM352) wurde bei der Firma Hellgeth mit einem Garrett-Turbolader nachgerüstet und bringt es jetzt auf rund 170 PS Leistung . Lange Achsübersetzungen und ein zusätzliches Split-Getriebe sorgen für moderate Drehzahlen beim "cruisen", reduzieren den Verbrauch und das Geräuschniveau. Durch das Split-Getriebe läßt sich der MOG außerdem auch flotter über lange Steigungen oder steile Gebirgspässe hieven. Motorbremse, Viskolüfter und Unimurr-Vorgelege-Entlüftungen sind für den ReiseMog ein ebenfalls sehr nützliches Zubehör. Durch die Demontage der schweren Heckseilwinde und dem Hecklift konnten wir nochmal Gewicht einsparen. Mit einem Reisegewicht von jetzt  knapp 6,8 to (inkl. 2 Personen und vollen Wasser- und Dieseltanks)  ist die "bewegte Masse" trotzdem noch im unteren Bereich der 4x4 Expeditions-LKW angesiedelt. Ein nicht zu unterschätzender Faktor im Gelände. Und ebenfalls ganz wichtig:  mit seinen 38 "Mogjahren" hat sich "MOG" inzwischen die Zulassung als ein historisches Fahrzeug verdient. Mittlerweile hat er mit uns über 10.000 Kilometer in Europa abgerollt - und ist so gut in Form wie noch nie.


Willkommen Zuhause! Unser acht Quadratmeter-Apartment auf Rädern. Hinter der Spiegeltür die Nasszelle und das WC.
Willkommen Zuhause! Unser acht Quadratmeter-Apartment auf Rädern. Hinter der Spiegeltür die Nasszelle und das WC.

Als neue MOG-Bewohner machten wir uns gleich an die Arbeit die Kabine auf einen neueren Stand zu bringen. Stellenweise Rost entfernen, neu versiegeln und eine neue Lackierung hat er auch bekommen. Seltsame Feucht-Biotope im Kofferraum wurden identifiziert und abgedichtet. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch gleich neue Bodenplatten eingebaut. Die Wasseranlage gehörte auch mal kräftig gespült und teilweise legten wir neue Leitungen in Edelstahl. Unsere Freundin "Mira" nähte neue Sitzbezüge und brachte damit "mehr Farbe ins Spiel". Immer wieder rückte  der MOG mit uns aus um sich auf den "Zahn fühlen zu lassen". Bei tiefen Minustemperaturen im Winter und im nasskalten Frühjahr ging es meist in die nahe gelegenen Vogesen. Nach jedem Kurztrip wurde anschließend weiter optimiert, angepasst  oder erneuert. Wir fühlten wir uns immer wohler in unserem Haus auf Rädern. Eine warme Dusche bei Bedarf, die Küche sofort einsatzbereit, wenn wir von einer Bergtour zurück gekommen sind. Kurzum: Tür aufschließen und willkommen Zuhause! Das alles ist ein Luxus und eine Wohnqualität, die wir in dieser Form vom Landy mit seinem Aufstelldach nicht kannten. Der Stauraum in den Schränken und  im Kofferraum reichen locker um all unsere Utensilien, Vorräte und Werkzeug unterzubringen. Das ewige Suchen und Rumgeräume in Taschen und Kisten hat jetzt ein Ende. Ordnung ist plötzlich was ganz, ganz Schönes...

 

                                                              Schleifen. Nähen. Lackieren. Bauen. Immer wenn das Wetter passte wurde dem MOG der "letzte Schliff" verpasst.


"Watt ihr Volt" oder "With a Little Help From My Friends" (Teil 1)

Könnte man nicht da..?  Oder vielleicht dort..?  Im Zuge der Überarbeitung der Wohnkabine wurde die Wunschliste immer länger. Rudimentäre "Holzarbeiten",  das Umsetzen von Frischwasserleitungen, Filter einbauen, hier oder da einen Stecker für den Laptop einbauen, Bad renovieren und neu abdichten. Der Kleinkram, welcher zur Steigerung des "Wohlfühlgefühls" dient, geht uns ja leicht von der Hand. Aber spätestens bei der Elektrik ist mal Schluss. Sollte nicht doch besser ein Fachmann ran?

 

Und so einen Freund und Fachmann, sozusagen den "Freund von einem Freund", lernten wir im Frühjahr bei einem "Islandfahrer-Treffen" am Isarhorn in Mittenwald kennen. Stefan ist T4 Syncro-Treter, Islandkenner und -fahrer - und natürlich ein leidenschaftlicher Autonarr. Zufälligerweise arbeitet er als Elektriker bei der Airline mit den Kranich im Wappen. Spontan bot er uns seine Hilfe an: "Wenn ihr nicht mehr weiter kommt, könnt ihr euch gerne melden. Dann schaun mer mal.." Also, auf nach Erding bei München. Am liebsten hätte Stefan gleich alles neu gemacht. Aber"für alles neu" ist letztendlich keine Zeit mehr. Die Basis macht noch einen soliden und vor allem beherrschbaren Eindruck. Wir beschränkten unsere Arbeiten auf "die wirklich sinnvollen Dinge". Intelligente Regler sorgen jetzt für Solar-Ladestrom im Aufbau und in den Starter-Batterien gleichzeitig. Leitungen und Kabel die nicht mehr hundertprozentig vertrauenerweckend wirkten, tauschten wir aus. Und zum Schluss das "Highlight": es werde Licht! Die serienmäßige 24-Volt-Lichtanlage eines Unimogs hat ungefähr den "Leuchtfaktor" einer Kerzenlampe. Zusätzlich montierten wir noch kleinere LED-Spots mit 3 Watt oder umschaltbar auf 40 Watt Leistung  in die seitlichen Öffnungen der Stoßstange -  dort wo früher die Tarnbeleuchtung der Militär-Unimogs untergebracht war. (Ich dachte immer: das serienmäßige Licht ist eigentlich Tarnung genug :-) Deshalb hatte unser MOG ja schon fette LED-Leuchten an der Gepäckreling am Dach  montiert. Aber irgendwie nützt das alles nichts, wenn die bereits montierten Breit- und Fernstrahler nur alle zusammen funktionierten. Stadionflutlicht oder nichts. Im normalen Straßenverkehr praktisch unbrauchbar - und schon gar nicht bei Regen. Da flimmern einem die Augen. Also zerlegte Stefan den Kabelstrang und schloss alles wieder neu an. Getrennt schaltbar sind sie jetzt besser nutzbar.


Die Herzensangelegenheit bei diesem "München-Workshop" aber war eine andere. Still und heimlich, ohne unser Wissen, arrangierte "Syncro-Stefan" auf dem Hofgelände ein "Island-Fahrer-Revival" mit unseren besten Freunden! Sozusagen ein vorgezogenes Abschiedsfest. Wer weiß, wann wir uns alle zusammen wieder sehen?  Dass sind die Momente wo man "kurz vor dem Wasser" gebaut ist. (Bilder vom Abschied gibt es wieder nicht...) Jedenfalls: der Grill für das abendliche Hof-Fest wurde nicht elektrisch betrieben und das Bier war kalt. Ehrensache!

Stefan der "Elektrolurch" bei der Arbeit. Martin (Haus-und Hof-Eigner) packt kräftig mit an."Siggi"überwacht alles. Spaßvogel Markus sorgt wie immer für gute Laune.


Das große Finale in Gaggenau oder "With a Little Help From My Friends" (Teil 2)

Bei aller Begeisterung und den handwerklichen Fähigkeiten die wir im Bereich des Aufbaus noch selbst leisten konnten: Die grundlegende technische Durchsicht und Vorbereitung von Motor, Antriebsstrang und Getrieben sind für uns ohne eine Unimog-Werkstatt einfach nicht leistbar. Kompetente Hilfe und Unterstützung fanden wir bei den Unimog-Spezialisten der Firma MERTEC in Gaggenau. Nach dem ersten Check mussten wir leider gemeinsam feststellen: da ist doch noch einiges zu tun.  Bei den anstehenden Reparaturen durfte ich immer dabei sein und den Mechanikern über die Schulter schauen. Eugen Frank, der Werkstattmeister weiß immer wo es lang geht. Stefan (inzwischen mein Leibmechaniker :-) widmete sich dem MOG mit einer Leidenschaft als wär's sein eigener. Mit einer "Engelsgeduld" erläuterte er mir die Technik im Detail und wie man sich im Notfall auch mal selbst helfen kann. Innerhalb kurzer Zeit wuchs mein "Unimog-Verständnis" immer mehr und die Zusammenarbeit mit dem MERTEC-Team wurde immer vertrauter. Milena (Lagerlogistik und die gute Fee der Truppe) brühte immer wieder dann einen leckeren Kaffee-Latte, wenn ich aufgrund der Umfänge der Arbeiten wieder mal "unruhig" wurde. Und wenn es wieder mal länger wurde, durfte ich mit dem Werkstattwagen nach Hause rollen. Mit Juniorchef Andrè ging ich die Liste aller möglicher Ersatzteile für die Reise durch. Was braucht man wirklich? Wie sind die Erfahrungen mit den anderen Weltenbummlern, die mit einem Unimog unterwegs sind? Wir haben jetzt ein Ersatzteilpaket dabei, dass das Wichtigste beinhaltet um den MOG am Laufen zu halten. Alles andere ist letztendlich auch Ballast, den man durch die Welt fährt, weil man wie meistens genau das Ersatzteil nicht dabei hat, dass man gerade benötigt. Unser Back-up: die Gaggenauer Unimog-Spezialisten verfügen über ein riesiges Ersatzteillager an Neu- und Gebrauchtteilen aller möglichen Unimog-Typen und versenden täglich Ersatzteile in die ganze Welt. Liebes Mertec und Merex -Team: DANKE für eure Geduld und die Unterstützung bei der Vorbereitung! Wir haben uns sehr gut aufgehoben und beraten gefühlt.

"We keep the MOG rolling"

 ( v.l.n.r)Stefan (Mechaniker) ,  André (Mertec-Geschäftsführer), Eugen (Werkstatt-Chef und Meister) und ein Teil des  MERTEC-Teams mit Milena (Lager- und Kaffee-Logistik)


Kommentare: 5
  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex