Wir entdecken Kappadokien

Nach unserer Ballonfahrt bleiben wir noch ein paar Tage in Kappadokien. Es gibt viel zu sehen. Die Täler laden zum wandern ein, wir entdecken und stöbern in den aufgelassenen Felswohnungen herum und besuchen die kleineren Dörfer, weg vom touristischen Zentrum Göreme. Leider haben wir Pech mit dem Wetter: die Tage sind immer wieder von Regen durchzogen und die Nächte kalt. Bei unserem "Cappadokia-Cruise" erleben wir immer dramatische Wetterstimmungen die uns innehalten lassen. Hier ein paar Impressionen. Mehr über diesen schönen Landstrich findet ihr im Internet unter https://de.wikipedia.org/wiki/Kappadokien.


Wir suchen nach Tradition und Geschichte, und finden den „Masterplan“

Wir sind in Kayseri angekommen. Sogar Marco Polo soll dort ein überteuerter Teppich verkauft worden sein, so heißt es in einer der vielen Geschichten, die diesen Ort zu Zeiten der alten Seidenstraße beschreiben. Heute ist Kayseri mit 1,3 Millionen Einwohnern die größte Industriemetropole in der Türkei. Das sieht man der Stadt auch an. Business. Business. Industriegebiete, so groß wie kleine Städte. Alleine rund 80 Prozent der türkischen Möbel kommen aus dieser Stadt. Vierspurige Straßen ziehen sich um und durch die Stadt, und zwei Straßenbahnlinen verbinden die Stadtteile. Die Architektur, nicht nur an den Stadträndern, erinnert an riesengroße Plattenbausiedlungen. Die Stadt ist zum Business- und Industriemoloch mutiert, hat eine große Universität und viele Fachschulen. Die Stadt ist ein umgesetzter „Masterplan“ - und so wirkt sie auch.  Einzig der gegenüber der großen Moschee gelegene Stadtpark lädt zum Verweilen ein und in den letzten warmen Sonnenstrahlen des Novembers wird er zum Treffpunkt der Stadtbewohner. Wir besuchen in unserer Orientierungsphase sogar das Tourist-Office, weil wir die „Altstadt“ nicht gleich finden, und uns stattdessen in einem riesengroßen Einkaufszentrum fast verlaufen. Der kleine Folder den man uns im Tourist-Office in die Hand drückt hält auch kaum Informationen bereit. Letztendlich finden wir doch noch einen ursprünglichen und historischen Teil. Der Bazar ist fast komplett überdacht und darin reihen sich kleine Geschäfte an Geschäfte Im Museum zeugen nur noch ein paar Modelle und Animationen von der Geschichte Kayseris. Seit 2000 hat sich die Bevölkerung von damals rund 500.000 Einwohnern fast verdreifacht. Im Zentrum überragen die Platten-Hochhäuser die letzten Überreste der alten Festung und den Bazar. Kayseri ist ein umgesetzer „Masterplan“ - und so wirkt sie auch – und ist stolz darauf. Alles andere ist ausgeblendet und vergessen. Einzig der gegenüber der großen Moschee gelegene Stadtpark lädt zum Verweilen ein und in den letzten warmen Sonnenstrahlen des Novembers wird er zum Treffpunkt der Stadtbewohner.

Erholung vom Stadttrubel bietet das nahe gelegene Berggebiet rund um den  Erciyes Dagi. Der alte Vulkan mit seinen 3.900 Metern liegt nicht weit von der Metropole entfernt und gemäß „Masterplan“ ist hier außerdem das größte Skigebiet der Türkei entstanden. Wir blicken auf die Karte und entdecken Hotel an Hotel. Von den Solitäre-Campern erfahren wir über Facebook von einer kleinen Piste die recht nahe an den Berg ranführt. Wir haben genug von Retorte und Masterplan und fahren deshalb von hinten an den Vulkan ran. Und dieser Umweg hat sich gelohnt. Ab 2000 Meter ziehen wir unsere eigenen Spuren in den Schnee und erreichen beim letzten Abendlicht einen Sommer-Herdenplatz mit grandiosem Blick auf den Erciyes. Der Übernachtungsplatz in 2.400 Meter Höhe und grimmigen Temperaturen von bis zu minus 10 Grad in den frühen Morgenstunden sind für uns bisher Rekord. So kalt hatten wir es bisher noch nicht.


Kannst Du türkisch?

Musst Du auch nicht. Alle Türken sprechen Deutsch - oder kennen jemanden der Deutsch spricht. Sollte das ausnahmsweise Mal nicht der Fall sein, hilft der Google Übersetzer auf dem Handy - und trägt meist beiderseitig zu größter Heiterkeit bei. „Der Dreher am Springbrunnen kaputt“ bedeutet so viel wie: Der Thermostat für die Heizung im MOG öffnet nicht vollständig. Das geht ja noch…  Oder was haltet ihr von folgender  Google Übersetzung aus dem türkischen ins deutsche? „Spinat“, spuckte der Google Übersetzer aus, als es um einen Stecker der Webasto-Heizung ging. Wir haben uns dann angeschaut, mit den Schultern gezuckt, und erst mal einen Tee getrunken…  Apropos Tee: Als beim Einkauf auf dem Markt „Mister Google“ den lang ersehnten Bergtee mit „Gemüse“ übersetzte, haben wir einfach den Tee gekauft der nach Bergtee  ausgesehen hat. Bei Google ist Vorsicht angesagt – und viel Humor auf beiden Seiten vorausgesetzt. Selten so gelacht, oder in so viele fragende Augen geblickt…

 

Wir sind in Kayseri, der Millionenstadt in der Mitte der Türkei, angekommen. Seit zwei Tagen spinnt zu allem Überfluss die Webasto-Zusatzheizung für den Motor. Und wir Unimog-Fahrer wissen: Bei Temperaturen unter null Grad springt der alte Motor nur sehr unwillig  an, wenn ihm nicht vorher wenigstens ein bisschen Wärme zugeführt wird.  Wir fahren am Stadtrand der Metropole in die „Automeile“ und schauen nach einer geeigneten Werkstatt. Wir stoppen vor einer kleinen Werkstatt mit dem Webasto-Logo auf dem handgemalten Firmenschild. Der Chef versteht unser Anliegen sofort und telefoniert. 10 Minuten später kommt ein weißer Benz um die Ecke gebogen. „Hallo, wie geht’s? Ich heiße Recep“. Mein Freund kann das gleich reparieren. Alles klar! Cay?“ Recep hat knapp 30 Jahre in Deutschland gearbeitet -  sogar selbstständig als Eigner eines Kranwagens. Heute hat er in Kayseri zwei kleinere moderne Autoprüfwerkstätten. Recep ist ab sofort unser „Schlepper“. Die Heizung heizt wieder und wir fahren hinter Receps Mercedes in die Stadt. Vor seiner Werkstadt wird gleich mal Platz für den MOG geschaffen. Da parken wir nun, nicht mehr weit von der Innenstadt entfernt. Recep lässt es sich natürlich nicht nehmen uns am Abend  in die Stadt zu fahren – und auch klar - nächsten Morgen geht’s zuerst zum gemeinsamen Frühstück- und dann wieder mit Benz-Transfer in die Stadt. Wir bummeln durch Kayseris Innenstadt und suchen uns ein Teehaus nahe dem Stadtpark. Plötzlich klopft mir ein älterer Herr auf die Schulter und bittet uns an seinem Tisch Platz zu nehmen. Er hat die Unterhaltung von Claudia und mir mitgehört. Der nächste kommt dazu – er hat bei Opel gearbeitet. Wir reden deutsch miteinander.

 

Wir fahren Richtung Erzurum und biegen von der vierspurigen Straße ab um in einem der wenigen Dörfer etwas einzukaufen. Wir parken an der Hauptstraße, plötzlich kommt ein Mann hinter dem MOG vor. „Hallo! Wie geht’s?“ Er hat in Brilon (Sauerland) gearbeitet. Wir erledigen unsere Einkäufe und suchen noch nach einem Geschäft wo wir Bier kaufen können. Wie aus dem heiteren Himmel  kommt wieder ein Helfer in friedlicher Mission von hinten angelaufen. „Kann ich Ihnen helfen?“ Zufälligerweise hat er eine kleine Bude und verkauft uns auch 6 Flaschen Bier. Er hat in Wien gearbeitet…

 

Wir sind in Erzurum und parken den MOG in einem Wohngebiet unweit der Innenstadt. Nach unserem Stadtbummel kommen wir zurück zum MOG, die Tür von dem Geschäft,  vor dem wir parken geht auf, und wir sind umringt von lauter jungen Burschen die Ihre Google-Übersetzer schon munitioniert haben.  Auf der Straße entsteht sofort eine lustige Konversation. Was wir den hier machen? Was für ein komisches Auto wir da haben? „KARAVAN“ Ah? Dann müssen wir doch unsere „Moschee“ öffnen: Die Schuhe wurden sauber auf die Trittstufe gestellt und „Ahh“ und „Ohh“.  Der Google Übersetzer liefert seine Version:  „Ein Schloss“ übersetze er aus dem Türkischen. (Irgendwie übertreibt er schon… der Übersetzer) Dann gesellt sich noch ein junger Mann dazu, der zufällig des Weges kommt und unser Nummernschild inspiziert: Sofort packt er seine Deutschkenntnisse aus und vermittelt. In zehn Minuten haben wir 10 Facebook-Freunde mehr… Und wir haben alle persönlich kennen gelernt!

 

Das sind nur ein paar Beispiele. 

Auf diese Art und Weise hat man uns bisher ganz galant durch die Türkei gelotst. 

„Wir haben verstanden.“ (Hoffen wir)   Tesekkür ederim! 


Anatolian Highway: Wir fahren weiter Richtung Osten

 

Wir sind auf der Autobahn unterwegs. Wir passieren die Randgebiete von Kayseri und durchqueren immer wieder neu angelegte Siedlungen. Je weiter wir allerdings nach Osten dringen, auch in die mehr von Kurden besiedelten Gebiete, desto deutlicher wird auch der Unterschied in der Wahrnehmung. Es wird irgendwie „härter, die Landschaft wird rauher und strenger. Im November braunes Agrarland bis zum Horizont. Wie mag das wohl im Sommer aussehen? Wir fahren Stunden über vierspurige Autobahnen auf denen fast niemand fährt. Wir fahren in die Nacht hinein.  Nur wenige  Lastwagen kommen uns entgegen. Im östlichen Teil passieren wir die ersten „Militärschleusen“ die vor Orten und Städten errichtet sind. Oftmals sind diese aber unbesetzt, oder man winkt uns lässig durch. Nur einmal werden unsere Papiere kontrolliert. Der sogenannte „Anatolia Highway“, die fast durchgängig vierspurige Autobahn verläuft immer in einem Höhenbereich von 1.700 Meter mit Pässen bis zu 2.400 Meter, die wir überqueren. Ein Highway im wahrsten Sinne des Wortes. Von Kayseri bis zum Iran.

Trotzdem biegen wir nochmal ab. Hinter Malatya geht es über kleine Straßen, rauf auf Pässe mit bis zu 2.400 Meter, und wieder runter bis auf 750 Meter - und gleich wieder hoch auf 2.200 Meter. 90 Kilometer, die dem MOG und dem Fahrer in die Knochen gehen. Dann sind wir am Nemrut Dagi angekommen und genießen den Sonnenuntergang in exponierter Lage. Wir übernachten fast oben am Berg und kurven am nächsten Tag wieder zurück.

Wieder auf dem „Highway“,  wollen wir Tempo machen um zügig nach Erzurum zu kommen. Das zieht sich aber und wir kommen in die Nacht. In Cat, kurz vor Erzurum, übernachten wir bei Dunkelheit an der Rückseite einer der wenigen Tankstellen. Auch die werden immer weniger, je weiter wir nach Osten vordringen. Da es nur noch 40 Kilometer bis Erzurum sind, legen wir spontan eine Stadtbesichtigung am frühen Sonntagvormittag ein. Erzurum macht im Gegensatz zu den größeren Städten, die wir vorher gestreift oder besucht haben, einen sehr authentischen und gewachsenen Eindruck, obwohl Großteile dieser Stadt immer wieder durch Erdbeben zerstört wurde. Erzurum liegt auf 2.000 Meter und gemäß „Masterplan“ ist es auch ein Wintersportzentrum der Türkei. Das hypermoderne Skisprungstadion liegt fast mitten in der Stadt. Überdachte Fußgängerüberführungen und unterirdische Parkgaragen lassen auf die harten und schneereichen Winter schließen.

Wir kommen gegen 10:00 Uhr in die Stadt, die gerade aufblüht. Die intensive Sonne lockt immer mehr Menschen auf die Straßen, Plätze und in die Parks der Stadt. Wir erleben die Stadt von einer sehr positiven Seite und verbleiben länger als geplant. Als Touristen fallen wir in dieser Stadt einfach auf. In der Bäckerei werden wir aufgefordert Fotos zu machen, am Markt kaufen wir ein und trinken noch einen heißen Tee.  Und überhaupt: ein kurzes Gespräch (in Deutsch!) mit einem Budenbesitzer klärt wieder auf. „Früher haben wir Teppiche verkauft, heute verkaufen wir Souvenirs und Magnete“. Und wir erhaschen glücklicherweise einen Blick hinter die Kulissen. Spontan werden wir eingeladen eines der Jahrhundert alten Häuser von innen zu besichtigen. Der Bewohner oder Besitzer ist ein rühriger Mann und verdient sich auf diese Art und Weise ein bisschen Geld. Er verlangt keinen festen Preis, wir dürfen geben, was wir für angemessen halten. Mit uns ist auch ein türkisches Paar in das Haus eingeladen und wir halten uns an deren Vorgaben. Wir drücken ihm 10 „Teelöffel“ in die Hand. (TL = Türkische Lyra) Das entspricht dem Eintrittspreis, den wir normalerweise  für Museen zahlen. Wir trinken Tee zusammen und genießen den Moment. 

 


Wir sind in Dogubayazit, am Fuße des Ararat.

Am späteren Nachmittag machen wir uns auf den Weg nach Dogubayazit, der letzten Stadt vor der iranischen Grenze. Bei Dunkelheit rollen wir in die Stadt und stecken zuerst mal fest. Wasserwerfer, Militär, Schützenpanzer stehen in den Straßen. Uns wird ein wenig mulmig – aber wir sind in einer Kurdenhochburg. Das wussten wir, da müssen wir halt durch.  Mit Mühe finden wir den Weg, vorbei an den gesperrten Straßen, zur einzigen Straße die zum Ishak-Pascha-Palast führt. Das „Murat-Camping“, den legendären Overlander-Treff unterhalb des Palastes gibt es nicht mehr. Geschlossen. Der Grund:  Die gesamte Zone um den „Mount Ararat National Park“ ist militärische Sicherheitszone. Wir treffen auf „Kava“, er ist 23 Jahre alt und er verwaltet die Überreste von „Murat-Camping“. Herzlich heißt er uns willkommen und bereitet uns sogar noch ein kleines Abendessen. Der Platz ist bereits seit zwei Jahren geschlossen. Der Ararat-Tourismus ist zusammengebrochen. Wir stehen alleine auf dem Gelände. Kein WLAN, keine Waschmaschine, keine warmen Duschen, keine wirklich intakten Toiletten. Die letzten zwei Dinge können wir ja verkraften, denn Dusche und Toilette haben wir an Bord. Aber kein WLAN und keine Waschmöglichkeit für unsere Wäsche?   Das sind die kleinen Alltagsprobleme von Reisenden. „Kava“ fährt mit uns in die Stadt runter und klappert mit uns zusammen die Wäschereien ab. Wir kaufen kurz ein und fahren mit dem Taxi zurück ins Camp, das circa zwei Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Den Tag verbringen wir mit Erkundungsspaziergängen rund um den Palast – und wie das bei „Noplanisagoodplan“ ebenso ist - dauert alles wieder etwas länger. Unser Spaziergang wird schon fast eine kleine Wanderung auf die umliegenden „Hügelketten“ (wir sind über 2.000 Meter hoch!) und wir genießen die Aussichten auf eine tolle, raue und teilweise auch ruppig wirkende Landschaft. Es sind gigantische Weiten, die sich in Bildern kaum dokumentieren lassen. Am Nachmittag schmeißen wir den MOG an und fahren raus aus dem Camp um den Ararat in voller Größe zu bewundern. Daraus wird ein wunderschöner Ausflug. Über trockene Pisten fahren wir bis in 2.450 Meter Höhe. Hinter einer Kurve taucht er plötzlich auf: der Berg! Wir rücken den MOG in eine kleine Nische und warten auf den Sonnenuntergang. LEBE DEIN LEBEN! Als die Sonne den Berg um kurz nach fünf Uhr nachmittags in zartes rot taucht, sind wir überwältigt. Wir vergessen alles, was sich unten im Tal so abspielt - und rollen beim letzten Licht zurück ins Camp. 

 


Servus Türkei: Du bleibst uns in bester Erinnerung

 

Wir haben bei unserer Durchquerung der Türkei bei Weitem wieder nicht alles gesehen, was dieses Land zu bieten hat. Wir sind wieder tief beindruckt von der Kultur und Natur. Einen ganz großen Anteil an unsere durchwegs positiven Erinnerungen haben vor allem auch die in diesem Land lebenden Menschen, die uns so begegnet sind. Überwiegend hatten wir zwar nur Kontakt mit Männern – was Claudia manchmal  bedauerte – sich aber immer und in allen Situationen wohl fühlte - und den Respekt ihr gegenüber förmlich spürte. Ich habe es schon im ersten Teil geschrieben. So viel Offenheit, Freundlichkeit, Neugierde, teilweise sogar ganz tiefe Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft machten uns – ganz ehrlich – manchmal richtig verlegen. Und da machen wir keinen Unterschied zwischen den Erlebnissen auf dem Land, im Gebirge oder in den größeren Dörfern und Städten - und zum Abschluss auch in den überwiegend von Kurden bewohnten Gebieten!

 

Wirtschaftsentwicklung mit Masterplänen

 

Die Türkei ist 2,3mal größer als Deutschland und hat geschätzte 79 Millionen Einwohner. Nach Erhebungen der Internetseite Citypopulation leben knapp die Hälfte der Türken in den 8 bis 9 Millionenstädten der Türkei. In den großen Städten hat sich ein sichtlich gesunder Mittelstand etabliert, und es geht weiter mit der konsequenten Ansiedlung von Industrie und Menschen, die in den Masterplan-Städten mal arbeiten sollen. Während unserer Reise durch die Türkei lesen wir, dass die Regierung einen weiteren Masterplan verabschiedet hat und bis zum Jahre 2023 siebenundsiebzig (77) neue Stauseen anlegen will. Auf unserer Route konnten wir beobachten, wie auf den riesigen Agrarflächen schon jetzt die Bewässerungsbecken gebaut und Rohre verlegt werden.  Überall sind Kieswerke und Erdbau zu sehen. Und diese von der Regierung veranlassten Masterpläne (Stadtentwicklungen, Agrarwirtschaft, Bauwirtschaft, Straßenbau etc.) sind es, die trotz aller politischen Querelen um die Türkei, dem Land zu einem Wirtschaftswachstum verhilft, die andere etablierte Industriestaaten in der EU vor Neid erblassen lassen müssten. Und der daraus entstandene Mittelstand ist zu einem Teil auch ein Rückhalt der jetzigen Regierung. Das darf man einfach nicht ihnorieren. Den Menschen geht es besser als jemals zuvor, sie haben große Hoffnungen in die Zukunft. Da wird bei anderen Themen gerne mal weggesehen. In den paar Gesprächen, die wir zu diesem Thema geführt haben, war das deutlich herauszuhören.

 

Die Landbevölkerung außerhalb der größeren Städte wirkt dagegen wie abgehängt. Die Dörfer wirken oft ärmlich, manchmal geradezu chaotisch. Hier ist die Zeit irgendwie stehen geblieben. Die modernen Traktoren, teuren Erntemaschinen und Mähdrescher wirken wie notgelandete UFOs neben den Hütten und Häusern der kleinen Siedlungen. Stromleitungen gibt es zwar, aber geheizt wird mit Holz, das Wasser kommt aus dem Dorfbrunnen. Der Dreck, Abfall und vor allem Plastikmüll nimmt manchmal unvorstellbare Ausmaße an. Wie die krassen Unterschiede zwischen Land und Stadt jemals zusammenwachsen können, das wird spannend. 


Impressionen von Land und Leuten in der Fotogalerie am Ende des Textes. 


Da wir den Blog in einem Internet-Cafe in Dogubayazit auf den Weg bringen, werden wir bei Gelegenheit noch weitere Bilder nachlegen. WLAN und Internet sind hier seehr langsam...


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Morgen, den 16.11.2017 in den Iran. Wir melden uns wieder. Viele Grüße, die Mogbewohner




Kommentare: 5
  • #5

    Heike (Donnerstag, 23 November 2017 11:14)

    Liebe Claudia und lieber Florian,

    nachdem ich nun wieder daheim bin, konnte ich mir die ganzen wunderbaren Fotos endlich auf dem großen Monitor anschauen. Wow! Danke dafür. Ich bin jetzt ein bisschen verliebt in den Ararat. Der Fuji wird schon eifersüchtig :-)

    Übrigens, wo Ihr so viele Menschen getroffen habt, die früher mal in Deutschland gelebt haben - so eine Begegnung hatte ich kürzlich auch. Der Mensch war fassungslos über das, was er derzeit über Deutschland in den Nachrichten hört - Regierungsbildung funktioniert nicht, der Hauptstadtflughafen wird nie fertig etc. - und wollte wissen, ob das denn tatsächlich stimme. Das seien ja entsetzliche Zustände, das hätte er nie gedacht von Deutschland. Naja, macht Euch keine Sorgen, falls Ihr mal wieder heimwollt: Wird sich alles richten lassen!

    Ich wünsche Euch eine gute Weiterreise und bin sehr gespannt auf den nächsten Bericht aus dem Iran. Passt bitte gut auf Euch auf!!!

    Alles Liebe
    Heike

  • #4

    Heike (Samstag, 21 Oktober 2017 17:11)

    Das klingt alles traumhaft und sieht traumhaft aus. Weiter so �

  • #3

    Silke (Samstag, 21 Oktober 2017 10:03)

    ....wie schön, so dicht mit dabei zu sein...
    alles Gute weiterhin u. lg silke �☘️�

  • #2

    Freiwillige Feuerwehr Osthofen (Samstag, 16 September 2017 22:32)

    Wir wünschen euch auf eurer Reise viele spannende Abenteuer.
    Wir werden euch in eurem Block verfolgen.
    Viel Spaß
    Ingo und seine Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Osthofen

  • #1

    Alexis Lamaye (Freitag, 08 September 2017 17:56)

    Hallo Florian und Claudia,
    das sieht ja alles sehr vielversprechend aus. Ich habe großen Respekt vor Euch und Eurem Vorhaben und wünsche Euch schon heute einen guten Start und eine wundervolle Reise.
    Beste Grüße
    Alex